Das Potential für den Ausbau der Erneuerbaren Energien im Verkehrssektor ist beträchtlich. Dabei kann die Vorgabe der EU, die bis 2020 einen Mindestanteil von 10 Prozent für den Mobilitätssektor vorschreibt, durchaus übertroffen werden. Wenn die Verkehrs- und Energiepolitik der neuen Bundesregierung die Rahmenbedingungen richtig ausgestaltet und dabei konsequent auf Erneuerbare Energien setzt, verdreifacht sich deren Anteil am gesamten Energieverbrauch im Verkehr bis 2020 auf über 18 Prozent. Das ist das Ergebnis der Ausbauprognose der Erneuerbare-Energien-Branche.
Am stärksten tragen die Biokraftstoffe zu diesem Anstieg bei. Deren Anteil am Kraftstoffverbrauch im Straßenverkehr steigt dann auf 21 Prozent. Die Biokraftstoffproduktion nimmt nach der Prognose des BEE von 4,5 Millionen Tonnen im Jahr 2007 auf etwa 10 Millionen Tonnen im Jahr 2020 zu. Prozentual wächst dabei die Bioethanolproduktion am stärksten, die sich bis 2020 auf 2 Millionen Tonnen vervierfacht. Die Biodieselerzeugung steigt ebenfalls deutlich an auf 7,6 Millionen Tonnen, während die Nutzung von reinem Pflanzenöl bis 2020 konstant bleibt. Biogas wird 2020 mit über 0,8 Millionen Tonnen seinen Anteil am Kraftstoffverbrauch im Verkehrssektor stark erhöhen. Die BEE-Prognose geht davon aus, dass alle verwendeten Rohstoffe entsprechend der EU-Nachhaltigkeitsverordnung produziert werden.
Auch die Bedeutung von Strom aus Erneuerbaren Energien im Verkehrssektor erhöht sich deutlich, da der Schienenverkehr und die Nutzung von Elektrofahrzeugen ebenso wie der Anteil von Erneuerbaren Energien an der Gesamtstromerzeugung bis 2020 stark zunehmen. Aufgrund der noch sehr hohen Batteriekosten nimmt der BEE für den Straßenverkehr an, dass bis 2020 Plug-In-Hybrid-Vehicles und Elektroleichtfahrzeuge am stärksten wachsen und mehr als zwei Drittel des gesamten Bestandes an Elektrofahrzeugen ausmachen. Reine Elektrofahrzeuge in herkömmlicher Pkw-Größe werden dagegen wegen hoher Kosten und begrenzter Reichweite in den nächsten zehn Jahren wahrscheinlich nur in vergleichsweise geringer Stückzahl verkauft werden.
Um den Anteil der Erneuerbaren im Verkehr zu steigern, sind entsprechende Rahmenbedingungen seitens der deutschen und europäischen Politik notwendig:
- Effizienzsteigerung: Während in der Vergangenheit Effizienzfortschritte in der Motorentechnik durch Leistungssteigerung weitgehend aufgefressen wurden, muss künftig die Reduzierung des Energieverbrauchs maßgeblich für die Entwicklung neuer Fahrzeuge sein.
- Ausbau des Öffentlichen Verkehrs: Individualverkehr ist deutlich energieintensiver als Öffentlicher Verkehr. Eine Verlagerung von Verkehrsleistung auf die Öffentlichen Verkehrsmittel spart daher Energie. Gleichzeitig muss auch in diesem Bereich höhere Effizienz und bessere Auslastung erzielt werden.
- Optimierung und Verlagerung des Güterverkehrs: Für eine stärkere Transportverlagerung von der Straße auf Schiene und Wasserwege eignet sich neben steuerlichen Instrumenten die LKW-Maut.
- Neue Biokraftstoffpolitik: In einem ersten Schritt muss die Absenkung der Gesamtquote zurückgenommen werden, in einem zweiten der Reinkraftstoffmarkt durch gezielte Steuerförderung wieder hergestellt werden.
- Förderung von Elektromobilität: Die Erneuerbaren Energien sind die natürlichen Partner der Elektromobilität. Einerseits ermöglicht nur Strom aus regenerativen Quellen eine gute CO2-Bilanz für Elektromobile. Andererseits können Batterien von Elektrofahrzeugen als dezentrale Energiespeicher Produktionsspitzen aus Wind- und Solarenergie speichern und so zur Netztabilität beitragen. Diese Funktion sollte die neue Bundesregierung gezielt fördern.
Insgesamt spart der Einsatz Erneuerbarer Energien im Verkehr im Jahr 2020 mehr als 28 Millionen Tonnen CO
2-Emissionen ein. Zudem werden Importe fossiler Brennstoffe im Wert von 11 Milliarden Euro vermieden.
Grafiken zur Branchenprognose "Verkehr 2020"