Betrachtet man die Versorgungssicherheit im Energiesektor sind mittel- und langfristige Perspektiven ausschlaggebend. Hier haben die Erneuerbaren Energien gegenüber der Energieerzeugung aus herkömmlichen fossilen Brennstoffen drei unschlagbare Vorteile:
- Erneuerbare Energien basieren auf nach menschlichen Maßstäben unendlichen Quellen
- Erneuerbare Energien sind vorwiegend heimisch und vor Ort verfügbar
- Erneuerbare Energien ermöglichen dezentrale Erzeugung und Nutzung von Energie
Experten aus Forschung und Ölindustrie sind sich weitgehend einig darüber, dass die weltweite Ölfördermenge ihren Höhepunkt in diesem Jahrzehnt erreicht oder sogar schon überschritten hat. Dieser sogenannte Peak Oil hat zur Folge, dass bei konstanter oder gar steigender weltweiter Ölnachfrage das Angebot nicht mithalten kann. Dadurch steigt der Ölpreis schneller als in der Vergangenheit. Zudem werden die Preisschwankungen auf dem Ölmarkt größer, da bei entsprechenden Angebotsengpässen Spekulanten stärkeren Einfluss gewinnen.
Verschärfend kommt derzeit hinzu, dass die aufgrund der Weltwirtschaftskrise sinkende Ölnachfrage zu geringeren Investitionen in die Ölexploration und nachfolgende Verarbeitungsstufen zur Folge hat. Damit wird bereits jetzt die Grundlage für eine steile Preisentwicklung auf dem Ölmarkt gelegt, sobald die wirtschaftliche Entwicklung weltweit wieder in Gang kommt und die Ölnachfrage steigt. An der Ölpreisentwicklung zeigt sich exemplarisch das Problem endlicher Ressourcen, wie es auch bei anderen Rohstoffen zur Energiegewinnung und für industrielle Produktion besteht.
Die Erneuerbaren Energien lösen dieses Problem grundsätzlich, da sie im Falle der Solar-und Windenergie sowie bei Wasserkraft und Geothermie auf nach Menschenmaßstäben unendlichen Ressourcen beruhen. Im Falle der Bioenergie ist dies ebenfalls gültig, solange mindestens so viel Biomasse zur Energieerzeugung angebaut wie verbraucht wird.
Anders als fossile Rohstoffe zur Energieerzeugung wie Erdgas, Steinkohle, Öl und Uran, die zu 65 bis 100 Prozent von Deutschland importiert werden müssen, sind die Erneuerbaren dezentral und flächendeckend verfügbar. Das bedeutet sinkende Abhängigkeit von wenigen Öl, Gas und Uran produzierenden Ländern und deren politischen Verhältnissen. Der Nahost-Konflikt, der Irakkrieg aber auch die Streitigkeiten zwischen Russland und der Ukraine über Gaslieferungen zeigen beispielhaft das Risiko, das mit bestehenden Abhängigkeiten von wenigen Regionen in Energiefragen verbunden ist.
Hier schließt sich ein weiterer Pluspunkt für die Versorgungssicherheit an. Erneuerbare Energien eignen sich nicht nur für Anlagen im großen Maßstab wie beispielsweise Wind- oder Solarparks. Sie sind geradezu prädestiniert für die Nutzung in kleineren und mittleren Anlagen und die unmittelbare Versorgung von Verbrauchern vor Ort. Das beginnt bei der Solaranlage auf dem Dach, die Strom und Wärme für den eigenen Haushalt produziert, und reicht über Blockheizkraftwerke, die mittels Biogas beispielsweise das kommunale Schwimmbad heizen und mit Strom beliefern, bis hin zu energieautarken Gemeinden wie das Bioenergiedorf-Projekt im niedersächsischen Jühnde. Solchen Einheiten ist gemeinsam, dass sie nicht mehr zwingend auf eine nationale bzw. internationale Energieinfrastruktur angewiesen sind. Ausfallrisiken in der Energieversorgung begrenzen sich dadurch auf einen überschaubaren und weitgehend beeinflussbaren Bereich.