Die Wasserkraftnutzung hat eine lange Tradition und ist technisch ausgereift. Weltweit ist sie die am meisten genutzte Erneuerbare Energiequelle. Wasserkraft steht rund um die Uhr zur Verfügung und kann auch als Energiespeicher genutzt werden. Aktuell gibt es rund 7500 Wasserkraftanlagen in Deutschland. Das sind noch gut 10 Prozent der Anfang des 20. Jahrhunderts installierten Anlagen.
Die in Deutschland installierten Anlagen (Speicher- und Laufwasserkraftanlagen, inklusive der Grenzkraftwerke) haben zusammen eine Leistung von rund 4,7 Gigawatt. In den Jahren 2000 bis 2008 produzierten sie je nach Wasserangebot zwischen 20 und 25 Milliarden Kilowattstunden Strom pro Jahr. Damit stellen sie etwa ein Viertel des erneuerbaren Stroms in Deutschland. Kleine Wasserkraftanlagen mit einer Leistung bis 5 Megawatt machen rund ein Viertel der gesamten installierten Leistung und der Stromproduktion aus (1,2 GW bzw. 5,5 Milliarden Kilowattstunden).
Die Wasserkraftbranche geht davon aus, dass die installierte Leistung bis Ende 2020 auf 6,5 GW zunimmt und damit dann etwa 32 Mrd. Kilowattstunden im Jahr erzeugt werden. Dieses Ergebnis steht im Widerspruch zu diversen Studien, die das Potenzial der Wasserkraft in Deutschland als weitgehend erschöpft ansehen. Gegen einen weiteren Ausbau der Wasserkraft werden vor allem Naturschutzgesichtspunkte ins Feld geführt. Insbesondere die eingeschränkte Durchgängigkeit der Gewässer gilt als Problem. Diese Schwierigkeit lässt sich jedoch mit Fischtreppen oder Umgehungsgewässern weitgehend lösen.
Im EEG 2009 wurde die Mindestvergütung für Strom aus Wasserkraft erhöht und die Optionen für ökologische Verbesserungsmaßnahmen im Vergleich zum EEG 2004 erheblich erweitert. Gewässer- und Fischschutzmaßnahmen können so ideal mit Modernisierungsmaßnahmen an Wasserkraftanlagen verbunden werden. Die Durchgängigkeit der Gewässer wird durch einen Ausbau der Wasserkraft deshalb nicht verschlechtert. Es besteht mit dem neuen EEG 2009 im Gegenteil die Möglichkeit, an bestehenden Querverbauungen Wasserkraftwerke zu errichten und gleichzeitig durch Fischtreppen die biologische Durchgängigkeit wiederherzustellen. Nach einer Erhebung des Umweltbundesamtes gibt es in Deutschland etwa 60.000 Querverbauungen an Gewässern. Der Anteil der Wasserkraftwerke daran beträgt weniger als 15 Prozent. Mehr als 85 Prozent der fehlenden Durchgängigkeit von Gewässern ist also nicht durch die Wasserkraft bedingt.
Zuwachsmöglichkeiten bestehen zudem durch Modernisierung. Viele Wasserkraftanlagen in Deutschland, insbesondere Anlagen mit einer installierten Leistung unterhalb 5 MW, sind über 50 Jahre alt. Der Modernisierungsbedarf und damit die Chance mit bestehenden Anlagen größere Leistungen zu erzielen sind groß. Allein bei kleinen Wasserkraftanlagen können durch Modernisierung zusätzlich rund 220 MW bereit gestellt werden. In den 1960/70er Jahren wurden außerdem viele Anlagen stillgelegt, die mit moderner Technik wieder in Betrieb genommen werden können.
Zahlen zur Wasserkraft im Überblick:
(alle Angaben gerundet; Quellen: BDW und BEE)
| 2006 | 2007 | 2008 |
Stromproduktion TWh/a | 20,0 | 21,2 | 20,9 |
davon: EEG-Wasserkraft | 5,0 | 5,5 | |
Installierte Leistung (MW) | 4.680 | 4.720 | 4.760 |
davon: EEG-Wasserkraft | 1.206 | 1.251 | |