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Innovation und Flexibilisierung in der unternehmerischen Praxis

BEE-Unternehmertag am 24. Februar 2016

Die Energiewirtschaft befindet sich in einem gewaltigen Umbruch. Welche neuen Geschäftsmodelle entstehen durch Megatrends wie die Digitalisierung, das Zusammenspiel der Sektoren Strom, Wärme und Mobilität oder die Flexibilisierung des Strommarkts? Und wie gelingt es, Innovationen unmittelbar für die unternehmerische Praxis fruchtbar zu machen? Diese Leitfragen bildeten das Motto des 2. Unternehmertags, den der Bundesverband Erneuerbare Energie am 24. Februar 2016 in Berlin veranstaltet hat.

Programm

09:30 - 10:00
Einlass und Akkreditierung

10:00 - 10:15
Begrüßung und Einführung
Dr. Hermann Falk, BEE-Geschäftsführer

10:15 - 10:45
Keynote von Daimler Business Innovation 
Dr. Frank Spennemann, Daimler Business Innovation 

Business Innovation befasst sich als Think-Tank der Daimler AG mit aktuellen Trends, beobachtet soziale, kulturelle und technologische Entwicklungen und bereichert das Kerngeschäft mit kreativen Geschäftsideen. So haben sich aus zahlreichen Pilotvorhaben neue Unternehmensbereiche erfolgreich etabliert, wie zum Beispiel der Carsharing Dienst car2go. Ein weiteres neues Geschäftsfeld, das bei Daimler Business Innovation in Zusammenarbeit mit der Daimler Tochter ACCUMOTIVE entstand, sind stationäre Energiespeicher, die sowohl im industriellen Bereich und Unternehmen als auch bei Privathaushalten Anwendung finden. Der erste industrielle Großspeicher von Daimler im Deutschen Stromnetz wird von den Partnern The Mobility House und GETEC über das gemeinsame Joint Venture Coulomb betrieben und an der deutschen Strombörse vermarktet.

Dr. Spennemann hat an der RWTH Aachen Maschinenbau studiert und anschließend im Bereich Fertigungstechnik promoviert. 2001 trat er bei der Evobus GmbH der damaligen DaimlerChrysler AG in den Konzern ein, zunächst im Bereich Marktanalyse und Produktstrategie Mercedes-Benz Omnibusse. Von 2003 bis 2007 leitete Dr. Spennemann die Abteilung Produktplanung im Geschäftsbereich Daimler Buses. Seit 2007 ist Dr. Spennemann als Senior Manager im Bereich Business Innovation, dem Think Tank der Daimler AG, für neue Geschäftsmodelle tätig und leitet dort überwiegend Projekte im Energie-Sektor.

10:45 - 11:15
Marktplatz (Zeit für informelle Gespräche)

11:15 - 12:30
Workshops 1-6

12:30 - 14:00
Marktplatz & Lunch

14:00 - 15:15
Workshops 1-6 (Themenangebot wie am Vormittag)

15:15 - 15:30
Marktplatz & Kaffee

15:30 - 16:30
Podiumsdiskussion: Innovation und Flexibilisierung in der unternehmerischen Praxis
Philipp A. Pausder, Thermondo 
Dr. Hermann Hüwels, Bereichsleiter Umwelt, Energie, Rohstoffe des DIHK
Andreas Niederlöhner, NQ-Anlagentechnik GmbH
Dirk Gottschalk, STAWAG Energie GmbH
Moderation: Dr. Hermann Falk, BEE-Geschäftsführer 

Übersicht der Workshops

Workshop 1: Welche neuen Geschäftsmodelle entstehen durch die Digitalisierung der Energiewende?
Matthias Karger, Leiter Business Development, Clean Energy Sourcing AG
Kirsten Neumann, Beraterin, VDI/VDE Innovation + Technik GmbH

Wind und Sonne verändern unser Stromsystem von Grund auf. Das ist beispielsweise an den Strompreisen an der Strombörse deutlich zu sehen. Nicht so offensichtlich ist, dass die Digitalisierung zu ebenso großen Umbrüchen in der Energiewelt führt. Sie macht die umfassende Nutzung der fluktuierenden Erneuerbaren erst möglich. In den Diskussionen über zukünftige Technologien wie Smart Meter und Smart Home wird oft übersehen, welchen Einfluss die Digitalisierung bereits heute hat. In diesem Workshop wollen wir konkrete Beispiele dafür vorstellen und die daraus erwachsenden Chancen diskutieren.

Präsentation
Matthias Karger (Clean Energy Sourcing AG):
Wie die Digitalisierung die Energiewelt (r)evolutioniert

Workshop 2: Welche Chancen bietet der Markt für Flexibilitätsoptionen?
Dr. Michael Ritzau, Geschäftsführer, BET Aachen (Moderation)
Armin Michels, Teamleiter BET GmbH
Manuel Glau, Referent Systemdienstleistungen, 50Hertz
Heiko Ross, Leclanché

Mit dem Weißbuch und dem nachfolgenden Entwurf für ein Strommarktgesetz hat das BMWi die Weichen für den Strommarkt gestellt. Der „Energy Only Market“ (EOM) wird weiterentwickelt zum EOM 2.0, wobei eine freie Preisbildung – auch beim Auftreten von Preisspitzen – garantiert werden soll und die Einhaltung der Bilanzkreistreue an Bedeutung gewinnt. Flexibilitätsoptionen stehen im Wettbewerb zueinander und müssen sich an den weiterentwickelten Kurzfristmärkten behaupten. Der Umbau des Erzeugungssystems hin zu Erneuerbaren Energien mit fluktuierenden Einspeisungen erfordert zunehmend die Bereitstellung von Flexibilität. Der Workshop von BET zeigt die jüngeren Entwicklungen der Marktstufen für Flexibilität (z. B. Intra-Day, ¼-h-Produkte, Regelleistung) und die Perspektiven dieser Märkte im Kontext des EOM 2.0 auf.  Anhand von Praxisbeispielen werden Voraussetzungen und Geschäftsmodelle zur Vermarktung von Flexibilität vorgestellt. Armin Michels, Teamleiter BET GmbH, eröffnet den Workshop mit einer Einführung zu Rahmenbedingungen und Perspektiven des Flexibilitätsmarktes. Als Praxisbeispiele sind Impulsvorträge von 50Hertz zur Bereitstellung von Regelleistung aus EE-Anlagen mit fluktuierender Einspeisung und von Leclanché zu Geschäftsmodellen für Batteriespeicher vorgesehen.

Präsentation
Armin Michels (BET GmbH)
Rahmenbedingungen und Perspektiven des Flexibilitätsmarktes


Workshop 3: Wie begegne ich den neuen Herausforderungen des Ausschreibungsmodells im EEG 2016?
Dr. Florian Valentin, Rechtsanwalt, von Bredow Valentin Herz
Dr. Jörg Böttcher, HSH Nordbank AG  

Ab 2017 soll die Höhe der Förderung für über 80 Prozent des EEG-Stroms über Ausschreibungen ermittelt werden. Die Details der Ausgestaltung des neuen Fördersystems im EEG 2016 sind inzwischen bekannt. Mit der Umstellung kommen erhebliche Herausforderungen auf Investoren, Projektentwickler und Anlagenbetreiber zu. Aufbauend auf den Erfahrungen aus den PV-Freiflächenausschreibungen werden die Referenten des Workshops das Ausschreibungsdesign für Windenergie- und PV-Anlagen und die Veränderungen im Bereich der Finanzierung darstellen. Ziel des Workshops ist es, gemeinsam Wege aufzuzeigen und zu finden, auf denen die Akteure der Energiewende auch im Ausschreibungssystem erfolgreich bestehen können. Dr. Jörg Böttcher von der HSH Nordbank wird einen Impulsvortrag zum Thema "EEG 2016: Onshore-Windenergie - Analyse und Bewertung" geben.

Präsentationen
Dr. Florian Valentin (Rechtsanwalt, von Bredow Valentin Herz)
Ausschreibungen im EEG 2016


Dr. Jörg Böttcher (HSH Nordbank AG)
Ausschreibungen Onshore


Workshop 4: Power-to-X: Wie gelingt die Zusammenarbeit zwischen den Sektoren Strom, Wärme, Mobilität und Industrie?
Marcel Keiffenheim, Greenpeace Energy eG
Michael Friedrich, Greenpeace Energy eG
Martin Thema, Forschungsstelle Energienetze und Energiespeicher (FENES) an der OTH Regensburg
Björn Spiegel, ARGE Netz


Mit dem Ausbau der Erneuerbaren Energien wird Strom zur Primärenergie, und die heute noch getrennten Versorgungsstrukturen für Strom, Wärme, Mobilität und Industrie werden zu einem Energiesektor verschmelzen. Ohne den Einsatz von Power-to-X-Technologien werden sich die Erneuerbaren aber nicht vollständig in unser künftiges Energiesystem integrieren lassen: So kann beispielsweise Windgas (Power-to-Gas), also erneuerbarer Wasserstoff und Methan, große Mengen an Energie aus Wind und Sonne kostengünstig speichern und wieder bereitstellen – und so Versorgungssicherheit in einem erneuerbaren Energiesystem garantieren. Auch andere flexible Speicherlösungen wie Power-to-Heat (Erzeugung von Wärme für Industrieprozesse zum Heizen) oder Power-to-Liquid (Erzeugung synthetischer Kraftstoffe oder chemischer Grundstoffe) werden wichtige Beiträge leisten, um zentrale Wirtschaftssektoren mit Kraft- und Rohstoffen sowie Prozesswärme aus erneuerbaren Quellen nachhaltig zu dekarbonisieren.
Jede Kilowattstunde aus erneuerbarer Energie muss – und kann! – genutzt werden, um die Klimaziele der Bundesregierung und des Weltklimagipfels von Paris zu erreichen. Zudem können mit Power-to-X-Technologien auch neue Potentiale für die Industrie und neue Märkte für erneuerbare Energien erschlossen werden. Der Workshop soll zeigen, wie ein Ausbaupfad der Windgas-Technologie für ein Stromsystem mit 100 Prozent Erneuerbaren aussehen könnte und wie alle Power-to-X-Lösungen bis 2050 eine Sektorenkopplung von Stromversorgung, Wärme, Verkehr und Industrie ermöglichen. Gleichzeitig wird aufgezeigt, welche politische Weichenstellungen bereits heute vorgenommen werden müssen und welche weiteren Hindernisse es dabei noch zu überwinden gilt.

Präsentationen
Marcel Keiffenheim, Michael Friedrich (Greenpeace Energy eG)
Windgas und Sektorkopplung


Martin Thema (Forschungsstelle Energienetze und Energiespeicher (FENES) an der OTH Regensburg)
Power-to-X


Björn Spiegel (ARGE Netz)
Transformationsmodell


Workshop 5: Kooperation vs. Marktkonzentration in der Energiewirtschaft? Neue Wege und Partnerschaften als Perspektive für mittelständische Unternehmen 
Tim Meyer, Naturstrom AG
René Groß, Bundesgeschäftsstelle Energiegenossenschaften beim DGRV

Wenig scheint in der Energiewirtschaft derzeit sicherer als die Ungewissheit. In welchem Regulierungsumfeld werden wir wann arbeiten und erfolgreich bestehende oder neue Geschäftsmodelle nutzen können? Ereilt die alte Energiewirtschaft das Schicksal der Dinosaurier oder kann sie sich auch Dank der starken Unterstützung aus der Politik wie Phoenix aus der Asche erheben? Schluckt die Marktkonzentration bei den Erneuerbaren Energien mittelständische Strukturen – und damit die bisherigen Treiber und Innovatoren der Energiewende? Finden neue Unternehmen auf Basis von Digitalisierung, Sektorenkopplung, Flexibilitäten oder Speichern das „big next thing“ und fegen die alten Strukturen mit neuerlicher Dynamik vom Tisch? 

NATURSTROM setzt seit seiner Gründung im Jahr 1998 auf die dezentrale Bürgerenergiewende und seine Beweglichkeit im sich ändernden Regulierungsumfeld. Dabei spielen Partnerschaften mit mittelständischen Unternehmen, Bürgerinnen und Bürgern und anderen Unternehmen der Energiewirtschaft eine zentrale Rolle. Der Vortrag nimmt zunächst eine Bestandsaufnahme von Zielen und Markumfeld vor. Auf dieser Basis werden Beispiele und Erfahrungen aus Innovations- und Kooperationsprojekten von NATURSTROM mit verschiedensten Akteuren dargestellt und mit den Teilnehmern diskutiert.

Workshop 6: Wie finanziere ich mein Erneuerbare Energien-Projekt jenseits des EEG? Crowdfunding für die Energiewende
Patrick Mijnals, bettervest GmbH  
Matthias Reineke, Deutsche Kreditbank AG


bettervest ist die erste Crowdfunding-Plattform, über die Bürger Energie- und Energieeffizienz-Projekte etablierter Unternehmen, Vereine & Kommunen öffentlichkeitswirksam finanzieren und im Gegenzug finanziell an den erzielten Einsparungen beteiligt werden.
Die Projektinhaber erhalten so Zugang zu einer alternativen Kapitalquelle mit niedrigem adminstrativen Aufwand und großer öffentlicher Wahrnehmung ihrer Projekte. Die Investoren können sich ab 50 Euro mit einer nachhaltigen Rendite an der Umsetzung der Energiewende beteiligen und in einigen Projekten auch zusätzliche Produktproben, Gutscheine oder Rabatte (je nach Geschäftsmodell des Projektinhabers) erhalten. Patrick Mijnals (35) ist Gründer und Geschäftsführer von bettervest. Die Plattform steht unter Schirmherrschaft von Prof. Ernst Ulrich von Weizsäcker, erhielt das Werkstatt N Siegel des Rats für Nachhaltigkeit und ist Preisträger des „IKT innovativ“ Wettbewerbs des Bundesministeriums für Wirtschaft & Energie.

Die Deutsche Kreditbank AG ist eine der führenden Banken bei der Finanzierung von Erneuerbaren Energien und bereits seit 20 Jahren aktiv in diesem Markt vertreten. Matthias Reineke leitet den Fachbereich Umwelttechnik und somit das operative Geschäft mit den Erneuerbaren Energien bei der Deutschen Kreditbank AG. Die Rahmenbedingungen zur Begleitung von EE-Projekten haben sich in der Vergangenheit schon häufiger verändert. Aktuell findet jedoch eine Umwälzung statt, die den Ausbau der Erneuerbaren Energien in Deutschland nachhaltig beeinflussen wird. Diese Entwicklung geht einher mit einer Vielfalt von Akteuren und letztlich auch neuen Formen der Finanzierung. Ziel des Workshops ist es, gemeinsame Ideen zu finden, wie die Finanzierung der Energiewende künftig erfolgen könnte.

Präsentation
Patrick Mijnals (bettervest GmbH)

Ihr Ansprechpartner

Herr
Alexander Karasek
Telefon: 030 / 275 81 70 15

Fotos vom BEE-Unternehmertag 2016