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Dossier 04: Erneuerbare Wärme

Keine Energiewende ohne Wärmewende

Im Wärmesektor werden knapp 60 Prozent der Energie in Deutschland verbraucht und rund die Hälfte der CO2-Emissionen verursacht. Doch der Ausbau Erneuerbarer Energien kam in den vergangenen Jahren kaum voran. Ihr Anteil an der Wärmeerzeugung liegt seit 2010 nahezu gleichbleibend bei unter zehn Prozent. Das heißt: 90 Prozent der Wärme werden noch immer mit fossilen Energien erzeugt. Vor allem im Gebäudebestand müssen Effizienzmaßnahmen und die Umstellung auf saubere Energien wie Solarthermie, Geothermie, Wärmepumpen und Biomasse Hand in Hand gehen und deutlich beschleunigt werden. Hier liegt ein großes Potenzial für Klimaschutz und Wirtschaft. 

Wie eine Solarheizung die Energiekosten dauerhaft reduziert und dabei das Klima schützt, zeigt der Film „Heizen mit der Sonne". 

Mit der Vorlage des Nationalen Aktionsplans Energieeffizienz (NAPE) durch die Bundesregierung rückt zum ersten Mal seit Jahren die Energiewende im Wärmemarkt und im Gebäudebereich in den politischen Fokus. Der Bundesverband Erneuerbare Energie und seine Mitgliedsverbände begrüßen und unterstützen dieses Vorhaben ausdrücklich. Denn ohne eine wesentlich wirksamere Wärmepolitik lässt sich die Energiewende in Deutschland nicht zum Erfolg führen. Unser Land wäre andernfalls weiterhin in erheblichem Ausmaß von fossilen Importen aus Drittländern abhängig und könnte weder seine Klimaschutzziele erreichen noch dauerhaft bezahlbare und stabile Energiepreise für die Wärmeversorgung sicherstellen. 

Deutschlands veraltete Heizungsanlagen

Das Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz (EEWärmeG) und das Marktanreizprogramm (MAP) fördern seit 2009 den Einbau von Technologien zur nachhaltigen Wärmeerzeugung. Diese Maßnahmen reichen jedoch nicht aus. Wir haben in Deutschland insgesamt rund 15 Mio. veraltete Heizungsanlagen. Pro Jahr werden jedoch nur rund drei Prozent der Anlagen ausgetauscht, dies sind nur rund 600 000 neue Systeme pro Jahr. Das Ziel der Bundesregierung, bis 2020 mindestens 14 Prozent des Wärmeverbrauchs mit Erneuerbaren Energien abzudecken, ist so nicht erreichbar. Dafür sind jedes Jahr mindestens eine Million Heizungsmodernisierungen erforderlich, die Effizienz und Erneuerbare Energien verbinden. Besser noch wäre es, die Modernisierungsquote auf mindestens sechs Prozent zu verdoppeln.

Bisher haben aber weder die direkten finanziellen Zuschüsse zur Heizungssanierung durch das Marktanreizprogramm (MAP) noch die KfW-Förderprogramme im Rahmen des Programms „Energieeffizientes Sanieren“ zu einem durchschlagenden Erfolg geführt.

Ungleicher Wettbewerb

Eine der Ursachen dafür sind die ungleichen Wettbewerbsbedingungen zwischen Erneuerbaren und konventionellen Heizungstechnologien. Der Wärmesektor ist nicht in den Emissionshandel eingebunden. Somit stellt die Klimafreundlichkeit der Erneuerbaren Energien keinen wirklichen Wettbewerbsvorteil dar. Zudem ist Heizöl und -gas nur sehr gering besteuert. Gleichzeitig ist die Anfangsinvestition bei Erneuerbaren Heizungen deutlich höher als bei konventionellen Technologien. Zwar sparen regenerative Heizungssysteme im Laufe ihres Betriebes Brennstoffkosten gegenüber konventionellen Öl- oder Gasheizungen ein. Im Ergebnis reicht dieser wirtschaftliche Vorteil zusammen mit einer Förderung allerdings nicht, um die Wettbewerbsungleichheit auszugleichen. Wenn es einen Umbau der Wärmeversorgung hin zu Erneuerbaren Energien geben soll, müssen die Rahmenbedingungen entsprechend angepasst werden. Dafür ist der gleiche politische Wille notwendig wie im Strombereich.

BEE-Vorschlag: Steuerliche Förderung von energetischen Sanierungen

Der Bundesverband Erneuerbare Energie unterstützt deshalb auch den erneuten Versuch, eine Regelung zur steuerlichen Förderung von energetischen Sanierungen einzuführen. Aus Sicht des BEE ist die steuerliche Förderung ein ergänzendes Förderinstrument, das bei intelligenter Ausgestaltung zahlreiche Gebäudebesitzer erreichen wird, die die bisherigen Fördermöglichkeiten nicht genutzt haben. Dieses Förderprogramm darf aber nicht das MAP als Förderprogramm für Erneuerbare Wärme und das CO2-Gebäudesanierungsprogramm ersetzen.

BEE-Positionspapier: Empfehlungen zur Berücksichtigung der Erneuerbare Wärme bei der geplanten steuerlichen Förderung von energetischen Modernisierungsmaßnahmen

Die steuerliche Förderung  lässt sich weitgehend haushaltsneutral umsetzen und steht dem politischen Ziel ausgeglichener Haushalte nicht im Wege. Durch zusätzliche Modernisierungsmaßnahmen würde die regionale Wertschöpfung am Wirtschaftsstandort Deutschland erhöht. Aller Wahrscheinlichkeit nach brächte das Modell im Saldo sogar staatliche Mehreinnahmen (Mehrwertsteuer, Lohnsteuer, Einkommensteuer, Gewerbe- und Körperschaftsteuer sowie Sozialbeiträge) mit sich. Bedeutsam sind auch die konjunkturellen Effekte: Es ist insgesamt mit Investitionen von 40 bis 60 Mrd. Euro zu rechnen, die während des Förderzeitraumes ausgelöst würden.

Bei der Festlegung des Fördersatzes sollte zwischen klimafreundliche Erneuerbaren Wärmeerzeugern bzw. Brennstoffen und klimaschädlichen fossilen Wärmeerzeugern unterschieden werden. Dies kann entweder durch einen höheren Fördersatz für Erneuerbare Heizsysteme erfolgen oder durch eine kumulierte Förderung mit dem MAP.

Bund und Länder müssen sich deshalb schnell einigen. Ein erneutes Scheitern würde das Investitionsklima im Sanierungsbereich auf Jahre hinaus beeinträchtigen.

Nach Berechnungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung könnten Investitionen von 9 Mrd. Euro bis 2020 Energiekosten von 11 Mrd. Euro einsparen. Die Beschäftigung in Deutschland würde um 30 000 Arbeitsplätze steigen. 

Ausblick: ein Gesamtkonzept für einen klimaneutralen Gebäudebestand

Bis zum Herbst 2015 möchte das Bundesministerium die Energieeffizienzstrategie Gebäude (ESG) erarbeiteten. Darin sollen die Maßnahmen und Instrumente beschrieben werden, um im Jahr 2050 einen klimaneutralen Gebäudebestand zu erreichen. Der Bundesverband Erneuerbare Energie begrüßt dieses Unterfangen und wird es mit seiner Expertise begleiten und unterstützen.

Ihr Ansprechpartner

Herr
Ulf Sieberg
Telefon: 030 / 275 81 70 - 13

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