English
  • © BSW

Dossier 04: Erneuerbare Wärme und Kälte

Effizient Erneuerbar: Was JETZT zum Gelingen einer Erneuerbaren Wärmewende getan werden muss

Annährend 90 Prozent der Wärme und Kälte werden noch immer mit fossilen Energien erzeugt. Vor allem im Gebäudebestand müssen Effizienzmaßnahmen und die Umstellung auf saubere Energien wie Solarthermie, Wärmepumpen und Biomasse Hand in Hand gehen und deutlich beschleunigt werden. Hier liegt ein großes Potenzial für Klimaschutz und Wirtschaft. Der BEE fordert daher eine wirksame CO2-Bepreisung und die ambitionierte Umsetzung der neuen ordnungsrechtlichen Rahmenbedingungen im Wärmemarkt.

  • Mehr als die Hälfte des Endenergiebedarfes in Deutschland entfällt auf Wärme und Kälte für Heizung, Trinkwasser und Prozesse.
  • Rund ein Drittel der deutschen Treibhausgasemissionen wird im Wärme- und Kältemarkt verursacht
  • Mehr als 80 Prozent der Wärme- und Kälteversorgung hängt von unsicheren fossilen Energieimporten mit extremen Preisschwankungen ab.
  • Wärme und Kälkte dominieren die Energiekosten der deutschen Haushalte und vieler Unternehmen.

Damit ist eine grundlegende Transformation des Wärme- und Kältemarktes (Wärmewende) unabdingbar für das Gelingen der Energiewende und das Erreichen der Energie- und Klimaschutzziele. Dazu muss aus Sicht des BEE die Wärme- und Kälteversorgung spätestens bis 2050 vollständig dekarbonisiert werden, und zwar sowohl im Gebäudesektor als auch im Bereich der Prozesswärme.

Welche Neuerungen bringt der Klimaschutzplan 2050 mit sich?

Zum Erreichen des langfristigen Gesamt-Klimaschutzzieles im Jahr 2050 müssen vor allem die Emissionen im Gebäude- sowie Industrie- und Prozesswärmebereich weitgehend vermieden werden.

Der Klimaschutzplan fordert weitreichende Veränderungen:

Werden Heizungen in bestehenden Gebäuden neu installiert bzw. ausgetauscht, sollen entsprechende Anreize dafür gesetzt werden, dass möglichst hohe Anteile der Wärme durch Erneuerbare Energien bereitgestellt werden.
Die Einführung einer anteiligen Nutzungspflicht Erneuerbarer Energien soll bei einer umfassenden Gebäudesanierung geprüft werden.
Neubauten sollen spätestens zum Jahr 2030 einen energetischen Standard deutlich unterhalb des heute geförderten „Effizienzhaus55“-Standards aufweisen.

Status quo: Stagnation im Wärmemarkt

Im Wärmesektor haben die ersten neun Monate des Jahres 2016 einen Rückgang der Nutzung Erneuerbarer Energien von 1,3 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum gezeigt (ARGE Stat.) 

© Deutsches Pelletinstitut

2015 wurden in Deutschland 30 Prozent mehr Ölheizungen verkauft, während der Absatz von Wärmepumpen um zwei, von Solaranlagen um 10 und von Pelletöfen gar um 18 Prozent einbrach. Dies gefährdet die Erneuerbare mittelständische Wirtschaft fernab der weltweit vertretenen Heizungsunternehmen massiv in ihrer wirtschaftlichen Existenz. 

Dr.-Ing. E.h. Fritz Brickwedde, Präsident des Bundesverband für Erneuerbare Energie e.V. auf dem BEE-Neujahrsempfang am 16.02.2017:

"Die Ursachen für diesen Stillstand sind klar: Noch immer lohnt es sich, Heizungen mit Erdöl oder Erdgas zu betreiben. Die Kosten für die Luftverschmutzung werden nicht eingepreist. Der Einbau von Heizungen, die fossile Energieträger nutzen, wird noch immer vom Staat gefördert. Wir fordern die Politik auf, die kontraproduktive Förderung fossiler Heizungen einzustellen!“ 

Die BEE Wärme- und Kältestrategie

Der BEE hat zusammen mit seinen Mitgliedern und Spartenverbänden und unter Zuhilfenahme der wissenschaftliche Institute ifeu, Hamburg-Institut und Malik Management die ausführliche Wärme- und Kältestrategie „Effizient Erneuerbar: Was jetzt zum Gelingen einer Erneuerbaren Wärmewende getan werden muss“ erarbeitet.

Die heterogenen Akteursstrukturen im Wärmemarkt und die zum Teil divergierenden Interessen laufen einer zielorientierten Wärmepolitik zuwider. Die zahlreichen „Baustellen Wärmewende“ brauchen daher eine wirksame „Bauleitung“ - gerade um den Zielen des Klimaschutzplans 2050 gerecht werden zu können.
Die Wärmewende kann nur mit einem echten Kurswechsel weg von Erdöl, Erdgas und Kohle gelingen. Dazu muss sich das Ausbautempo Erneuerbarer Wärme um den Faktor 4 beschleunigen. 
Alle Erneuerbaren Wärmetechnologien müssen deutlich ausgebaut werden. Die „Effizienzstrategie Gebäude“ der Bundesregierung geht allein für den Gebäudesektor je nach Szenario von einer notwendigen Steigerung der Erneuerbaren Wärme bis 2050 zwischen 70 und 270 Prozent gegenüber dem Jahr 2008 aus. 

Entwicklung des Gesamtwärme- und Kältebedarfs (Raumwärme einschließlich Trinkwarmwasser und Prozesswärme), um Klimaneutralität erreichen zu können (Quelle: BEE-Positionspapier "Analyse des Wärmemarktes und Eckpunkte einer Wärme-und Kältestrategie")

Statt eines Restbedarfs an fossiler Primärenergie muss die Wärme- und Kälteversorgung vollständig dekarbonisiert werden. Der Brennstoffoffenheit sind damit engere Grenzen gesetzt als von der Bundesregierung beispielsweise mit der Effizienzstrategie Gebäude bislang angenommen. Denn die bestehenden Ziele für den Gebäude- und Wärmebereich wurden vor den Pariser Vereinbarungen zum weltweiten Klimaschutz formuliert. Diese bedeuten in der Konsequenz, dass 2050 keine fossilen Energieträger mehr verwendet werden dürfen – und zwar in allen Energiesektoren. Die langfristigen Vorgaben, an denen sich die o.g. Beschlüsse orientieren, sind damit überholt und müssten angepasst werden. 

Anteil Erneuerbarer Energien am Wärmeverbrauch 2015 bis 2050 nach Effizienzstrategie Gebäude der Bundesregierung (ESG Szenario Effizienz), nach Energiestrategie Gebäude Szenario Erneuerbare Energien und nach BEE-Wärmepfad (Quelle: BEE-Positionspapier Analyse des Wärmemarktes und Eckpunkte einer Wärme-und Kältestrategie)

Lösungsvorschläge des BEE: Eine wirksame CO2-Bepreisung und die ambitionierte Umsetzung der neuen ordnungsrechtlichen Rahmenbedingungen im Wärmemarkt

© Grammer Solar / R. Ettl, BSW-Solar

Eine CO2-Bepreisung auf fossile Brennstoffe im Wärmesektor soll die Verbraucher zu einem klima- und umweltfreundlichen Umgang mit Raumwärme und Warmwasser motivieren. Damit CO2-Sparen belohnt und Mehrkosten für die Verbraucher vermieden werden, schlägt der BEE eine Rückerstattung für die Bürger und Unternehmen vor. Der einzelne Verbraucher erhält also einen pauschalen Betrag zurück – hat er vorher viel CO2 eingespart, bleibt ihm Geld übrig; hat er viel CO2 ausgestoßen, bleibt ihm umso weniger übrig.

Da bislang die Kosten für Umwelt- und Klimaschäden fossiler Energieträger kaum in den Wärmepreisen abgebildet werden, sind die fossilen Brennstoffe deutlich privilegiert. Mit welcher Kombination aus Effizienzmaßnahmen und dem Einsatz Erneuerbarer Energien der Ausstoß von Kohlendioxid erreicht werden kann, sollte dem Verbraucher überlassen werden. Für einkommensschwache Gruppen mit vergleichsweise hohem Wärmeverbrauch sollte es eine Sonderregelung geben.
Ein Marktmechanismus zur Bepreisung von Kohlenstoff könnte darüber hinaus verstärkt Investitionen in den Wärmemarkt lenken.

© naturstrom

Bis die Politik eine wirksame Bepreisung von Kohlenstoff einführt, bilden die rechtlichen Rahmenbedingungen den entscheidenden Faktor für neue Impulse im Wärmemarkt. Hier wird es ohne den Gebäudebestand zu adressieren keine ausreichenden Fortschritte geben. Das hat auch der bereits erwähnte Klimaschutzplan 2050 der Bundesregierung gezeigt. Wir fordern von der Regierung gemäß Koalitionsvertrag noch in dieser Legislatur die Zusammenführung des ordnungsrechtlichen Rahmens von Energieeinspargesetz (EnEG), Energieeinsparverordnung (EnEV) und Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz (EEWärmeG) ambitioniert umzusetzen. 

Das Gebäudeenergiegesetz (GEG), das die entsprechenden Gesetze zusammenlegt und Anfang 2017 als Referentenentwurf vorgelegt wurde, blieb jedoch deutlich hinter den Erwartungen zurück und wird dem eigentlichen Ziel trotz mancher guter Ansätze nicht gerecht. 

Zudem gilt es  Steuermittel künftig nicht mehr für die Förderung von (ausschließlich) fossil befeuerten Heizungen zu verausgaben. Die Bundesregierung will laut KSP die Austauschförderung für ausschließlich auf fossilen Energieträgern basierende Heiztechniken zum Jahr 2020 auslaufen lassen und gleichzeitig die Förderung für Erneuerbare Wärmetechnologien verbessern, mit dem Ziel, dass Erneuerbare Heizsysteme deutlich attraktiver als fossile werden. Ein überfälliger Schritt, der bereits auf das Jahr 2018 vorgezogen werden sollte.

Ihr Ansprechpartner

Herr
Ulf Sieberg
Telefon: 030 / 275 81 70 - 13

Weitere Dossiers