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Erneuerbare Energien im Wärmesektor

Der schlafende Riese

Draußen kalt und ungemütlich, innen warm und behaglich. So mag es der Mensch im Winter. Erneuerbare Wärme schont dazu noch die Umwelt und auf lange Sicht den Geldbeutel. Trotzdem wird fast die gesamte Wärmeversorgung in Deutschland, genau gesagt: 90 Prozent, noch immer mit fossilen Brennstoffen gedeckt; der Ausstoß an Kohlendioxid ist beträchtlich. Gleichzeitig sind Erneuerbare Heizsystemen technisch ausgereift, und das Potenzial zur Energie- und  Emissionseinsparung im Gebäudebereich ist gewaltig. Kein Wunder also, wenn der Wärmebereich häufig als der „schlafende Riese“ im Klimaschutz bezeichnet wird, den es – endlich – zu wecken gilt.

Erneuerbare Energien und Effizienz sind die zwei untrennbaren Bestandteile eines erfolgreichen Umbaus unserer Energieversorgung. Nur damit können Versorgungssicherheit, Klimaschutz und eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung gemeinsam erreicht werden.
Mehr als 50 Prozent des gesamten deutschen Energieverbrauchs entfallen auf die Wärmeversorgung.  In einem Wohngebäude werden sogar mehr als 80 Prozent des gesamten Energieverbrauchs für  Heizung und Warmwasser benötigt. Dieser hohe Anteil liegt nicht zuletzt an häufigen Defiziten bei der  Gebäudedämmung sowie dem verbreiteten Einsatz veralteter, ineffizienter Heizungsanlagen. Denn dreiviertel der rund 18 Millionen Heizungsanlagen in Deutschland ist älter als zehn Jahre  und damit nicht auf dem Stand der Technik.

Seit 2009 ist der Einsatz von Erneuerbarer Wärme in jedem Neubau Pflicht. Der Film zeigt, wie Erneuerbare Wärme funktioniert und wann sie sich besonders lohnt.

Die Vorteile liegen auf der Hand: Allein im letzten Winter machte die Wärmeerzeugung aus Erneuerbaren Energien fossile Rohstoffimporte in Höhe von rund 4 Milliarden Euro überflüssig. Regenerative Energien haben damit in der letzten Heizperiode mehr als 30 Millionen Tonnen klimaschädliches Kohlendioxid eingespart. Der stark gesunkene Ölpreis darf einen nicht täuschen. Die Ölreserven der Erde sind begrenzt. Die Erschließung neuer Felder ist sehr teuer und ökologisch gefährlich. Zudem dürfen aus Klimaschutzgründen nicht alle Ölvorräte verbraucht werden. Die derzeitige Tiefpreisphase wird also über kurz oder lang zu Ende sein. Die Erneuerbaren Energien schützen dagegen nicht nur wirksam das Klima schützen, sondern sind für Privathaushalte, Gewerbe und Industrie auch die beste Versicherung gegen langfristig steigende Öl-, Gas- und Kohlepreise auf dem Weltmarkt.

Das Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz (EEWärmeG) schreibt seit Anfang 2009 den anteiligen Einsatz Erneuerbarer Energien zur Wärmeversorgung in Neubauten vor. Dies kann entweder durch die Nutzung von Solarenergie (15%), Biomasse (30 bzw. 50%) oder Geothermie (50%) erfüllt werden. Des Weiteren sind Ersatzmaßnahmen wie die Wärmedämmung des Gebäudes, ein Anschluss an das Fernwärmenetz oder Kraft-Wärme-Kopplung möglich, wenn dadurch mindestens 50 Prozent des Wärmebedarfs gedeckt werden.

Die Branche der Erneuerbaren Energien fordert jedoch stärkere politische Anreize, um im Gebäudebestand ineffiziente und veraltete Heizungen gegen sparsame und umweltfreundliche erneuerbare Technik zu setzen. Denn eine solche Investition schont nicht nur die Umwelt, sondern spart mittelfristig auch bares Geld.

Welches Einsparpotenzial für Geldbeutel und Umwelt hier schlummert, zeigen diese Zahlen: Ein normales Einfamilienhaus, das die Energieeinsparverordnung erfüllt, hat CO2-Emissionen von 25 Kilogramm je Quadratmeter Nutzfläche und Jahr. Ein Effizienzhaus 55 mit einer kombinierten Gas- und Solarheizung emittiert nur 6 Kilogramm CO2. Und ein Effizienzhaus 70 mit einer Solar- und Holzpelletheizung kommt sogar auf nur 4 Kilogramm CO2.

Technologien

Den größten Anteil an der Erneuerbaren Wärmeerzeugung hatte 2013 die Bioenergie (101 TWh). Hierunter fallen vor allem Holzhackschnitzelanlagen, Pelletkessel und -öfen, Scheitholzvergaserkessel, , Kamin- und Scheitholzöfen sowie Biomasseheizkraftwerke und Biogasanlagen mit Nahwärmenetzen.  Wärmepumpen haben im Winter 2013/2014 rund 6,2 TWh Wärme erzeugt. Solarthermische Anlagen trugen mit 2,4 TWh zur regenerativen Wärmeerzeugung bei.

Wärmepumpen und die meisten Bioenergieanlagen können ein Gebäude komplett mit Erneuerbarer Wärme versorgen. Solarthermieanlagen können als Ergänzung im Sommer den ganzen Warmwasserbedarf decken und bei entsprechender Größe in den Übergangszeiten die Heizungen unterstützen. Speziell geplante Sonnenhäuser mit großen Kollektorflächen und einem großen Speicher decken ihren Wärmebedarf komplett mit Sonnenenergie.

So leisten die Erneuerbaren mit Sonnenenergie, Holzpellets und anderem Holz, Wärmepumpen, Tiefengeothermie und Biogas einen entscheidenden Beitrag zum Umbau der Energieversorgung.

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