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Erneuerbare Energie im Verkehrssektor

Die Mobilität der Zukunft

Der Verkehrssektor wird oft als Stiefkind der Energiewende bezeichnet. Der Großteil des Personen- und Güterverkehrs findet nach wie vor auf der Straße statt. Hier ist die Abhängigkeit von fossilem Erdöl mit über 90 Prozent besonders hoch. Schon heute gehen in Deutschland rund 30 Prozent des Endenergieverbrauchs und etwa 20 Prozent der gesamten CO2-Emissionen auf den Verkehr zurück. Und durch den weiter wachsenden Güter- und Luftverkehr steigen die verkehrsbedingten Emissionen in diesem Bereich sogar noch weiter an.
Ein Umsteuern im Verkehrssektor ist dringend geboten. Die Abhängigkeit von Erdöl muss so schnell wie möglich reduziert und der Umstieg auf Erneuerbare Energien im Verkehr entschlossen vorangetrieben werden. Ziel muss eine weitgehend CO2-freie Mobilität auf Basis Erneuerbarer Energien sein.

Bundesregierung ist von Erreichung ihrer selbstgesteckten Ziele weit entfernt

Obwohl mit der Nationalen Plattform Elektromobilität und der Mobilitäts- und Kraftstoffstrategie geeignete Initiativen vorhanden wären, sind auf bundespolitischer Ebene derzeit keine ausreichenden Anstrengungen für diesen Umstieg erkennbar. Auch von dem ersten Elektromobilitätsgesetz, das Bundesverkehrsminister Dobrindt für 2015 in Aussicht gestellt hat, sind derzeit keine entscheidenden Impulse zu erwarten, die Elektroautos in Deutschland den Durchbruch verschaffen.

Dramatisch ist die Entwicklung im Biokraftstoffsektor: Trotz sinkender Marktanteile der Biokraftstoffe werden keine Maßnahmen zur Erreichung der gesetzlich verankerten Ziele diskutiert.

Voraussetzung für eine Erneuerbare Verkehrswende

Ziel einer zukunftsweisenden Verkehrspolitik muss es sein, unnötige Fahrten und Trans¬porte zu vermeiden, möglichst viele Wege auf energiesparende und umweltverträglichere Verkehrsmittel zu lenken, die Energieeffizienz aller Antriebsarten wirksam zu erhöhen und so viel Erneuerbare Energie für die Mobilität einzusetzen wie möglich. Gerade überschüssiger Strom kann in der Elektromobilität eingesetzt und ggf. zwischengespeichert werden. Erneuerbare Gase (wie Biomethan oder Windgas) und Wasserstoff können in das bestehende Gassystem eingespeist und für den Einsatz in Erdgasfahrzeugen genutzt werden. Nur mit einem schlüssigen verkehrspolitischen Konzept, angepassten Technologien und einer Einbeziehung der Interdependenzen zur Stromversorgung kann Mobilität in Zukunft zu bezahlbaren Preisen gewährleistet werden.

Dafür ist ein neuer Denkansatz notwendig: Die Verkehrspolitik in Bund, Ländern und Kommunen muss sich von der auto- und straßenfixierten Perspektive lösen und zu einem intermodalen Ansatz kommen. Erst die intelligente Kombination unterschiedlicher Verkehrs-mittel ermöglicht die volle Befriedigung der Mobilitätsbedürfnisse bei gleichzeitig sinkendem Energiebedarf. Für die bessere Vernetzung und optimale Nutzung der einzelnen Verkehrs-träger können u. a. raum-, stadt- und verkehrsplanerische Maßnahmen einen erheblichen Beitrag leisten.

Ein Blick ins Jahr 2050: „Der Personenverkehr verringert sich bis 2050 um 15%. (…) Die Wahl der Verkehrsmittel verändert sich deutlich: Während heute der Pkw-Besitz dominiert, zählt langfristig vor allem Flexibilität. Besonders im urbanen und suburbanen Raum greift man je nach Bedarf auf (Leih-)Fahrräder und Pedelecs sowie auf gut vernetzte Angebote des öffentlichen Verkehrs und elektrisch betriebene Carsharing-Fahrzeuge zurück. Für längere Strecken steht ein leistungsfähiges Bahn- und Fernbusnetz mit bundesweit aufeinander abgestimmten Anschlüssen zur Verfügung. Dadurch rollen im Jahr 2050 nur noch etwa halb so viele Pkw wie heute auf deutschen Straßen. Die Politik unterstützt diese Entwicklungen durch die integrierte Förderung attraktiver Angebote des öffentlichen Verkehrs sowie durch den Ausbau der Fahrradinfrastruktur. Flankierend wird eine entfernungs- und emissionsabhängige Pkw-Maut eingeführt. Die EU-Grenzwerte für de CO2-Ausstoß von PKW-Neuwagen werden bis 2025 auf maximal 65–68 Gramm CO2/km und bis 2030 auf maximal 50 Gramm CO2/km verschärft.“

„Klimafreundlicher Verkehr in Deutschland“, Studie  von WWF Deutschland, BUND, Germanwatch e.V., NABU und Verkehrsclub Deutschland e.V (Juni 2014)

Politische Förderanreize setzen

Auf Bundesebene kommt der Abgaben- und Steuerpolitik entscheidende Bedeutung zu – insbesondere für den Kraftstoffsektor. Darüber hinaus muss ein effizientes und erfolgreiches Fördersystem für  Erneuerbare Energien erhalten bleiben, um den zügigen Ausbau der regenerativen Stromerzeugung in Deutschland fortzuführen. Denn ausschließlich aus dieser Quelle soll sich die zunehmende Elektromobilität speisen.

Umstieg auf Erneuerbare Energien

Um die Klimaschutzziele der Bundesregierung zu erfüllen und das 10 Prozent-Ziel für den Verkehrssektor aus der EU-Richtlinie für Erneuerbare Energien bis 2020 zu erreichen, führt kein Weg an den markteingeführten Biokraftstoffen vorbei. Die Ausweitung ihrer Produktion unter Einhaltung strenger Nachhaltigkeitsauflagen, wie sie die EU beschlossen hat, ist notwendig und möglich.

Heute stellen Biokraftstoffe wegen ihrer Kompatibilität mit den vorhandenen Versorgungs-strukturen und Antriebstechnologien sowie aufgrund verfügbarer Produktionstechnologie und geringer Mehrpreise die bevorzugte alternative Energie im Verkehrssektor dar. Mit Biodiesel, Pflanzenölkraftstoff, Bioethanol und Biogas stehen unterschiedliche Biokraftstoffe zur Verfügung, die je nach Einsatzgebiet ihre Stärken ausspielen können. Biokraftstoffe können dabei sowohl in zentralen Strukturen genutzt werden – z.B. durch die Beimischung von Biodiesel und Bioethanol in fossilen Kraftstoff oder die Einspeisung von Biomethan ins Erdgasnetz – als auch in dezentralen Strukturen – etwa durch die Nutzung von Biodiesel, Pflanzenöl und Biogas in Fuhrparks.

Die knapp 90.000 in Deutschland zugelassenen Erdgasfahrzeuge könnten bereits heute problemlos auf Biomethan und damit auf erneuerbares Gas umgestellt werden. Zudem wird die Bedeutung des Erdgas- bzw. Biomethanantriebs künftig zunehmen; etliche namhafte Hersteller haben diesen Trend bereits erkannt und bieten in allen Pkw-Klassen entsprechende Modelle an. Mit über 900 Erdgastankstellen ist auch bereits eine auskömmliche Infrastruktur gegeben.

Daneben wird der Ausbau der Elektromobilität auf Basis regenerativ erzeugten Stroms zur Diversifizierung beitragen und so den Anteil Erneuerbarer Mobilität insgesamt steigern. Derzeit befinden sich Elektroautos in Deutschland im Markthochlauf. Es ist daher an der Zeit, für eine flächendeckende Ladeinfrastruktur zu sorgen. Voraussichtlich ab 2020 werden Elektroautos zum Massenmarkt zählen. Aus technischer Sicht ist der Einsatz des Elektromotors im Pkw-Verkehr auf Kurz- und Mittelstrecken sowie für den Lieferverkehr im Nahbereich optimal. Durch technische Fortschritte insbesondere in der Batterie- und Ladetechnologie sowie durch die Kombination von Elektro- und Verbrennungsmotoren (z. B. Range Extender mit Biokraftstoffen) kann die Erneuerbare Mobilität zusätzlich Fahrt aufnehmen.

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