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Energiewende heißt Stromwende

Strom aus Erneuerbarer Energie: verlässlich und immer günstiger

Wer an die Energiewende denkt, denkt zuerst an den Strombereich. 2014 betrug der Anteil Erneuerbarer Energien an der Bruttostromerzeugung in Deutschland 25,8 Prozent. Damit überholten Sonne, Wind, Biomasse, Wasser und Geothermie zusammen erstmals die Braunkohle als größten Energieträger.

Strommix in Deutschland 2014: Die wichtigste regenerative Energiequelle zur Stromerzeugung war mit 8,4 Prozent die Windenergie an Land (51,2 Milliarden Kilowattstunden). Offshore trug mit 1,2 Milliarden Kilowattstunden rund 0,2 Prozent bei, wobei hier in den kommenden Jahren ein deutliches Wachstum zu erwarten ist. Die Photovoltaik konnte sich mit 5,8 Prozent Anteil gegenüber dem Vorjahr steigern, während die Anteile von Biomasse (8,0 Prozent) und Wasserkraft (3,4 Prozent) weitgehend stabil blieben. Quelle: Agentur für Erneuerbare Energien

Schon 2015 könnten die Erneuerbare Energien in Deutschland die Marke von 30 Prozent an der Stromerzeugung brechen. Und selbst wenn man nur das bescheidene Ausbauziel der Bundesregierung von 40 bis 45 Prozent Anteil der Erneuerbaren im Jahr 2025 zugrunde legt, ist klar: Im Energiesystem der Zukunft steht Strom aus sauberen Quellen im Zentrum. Die sogenannten fluktuierenden Erneuerbare Energien aus Wind und Solar werden die Hauptarbeit leisten. Da deren Produktion aber nur kurzfristig prognostizierbar ist, müssen sich Erzeuger und Konsumenten rund um die wichtigsten Erneuerbaren neu positionieren: Der Betrieb der Kraftwerke kann sich nicht mehr planbar an der gesamten Stromnachfrage ausrichten. Er muss sich auf die sogenannte residuale Last ausrichten. Das ist im Wesentlichen die Last, die von Wind und Sonne nicht bedient werden kann. Hier kommen Biogas, Geothermie und Wasserkraft ins Spiel, die wetter- und zeitunabhängig Strom erzeugen können.

Erneuerbare Energien sind im Jahr 2020 prägend – gemeinsam mit flexiblen Kraftwerken, intelligentem Energiemanagement, Netzausbau und neuen Speichern.

Erneuerbare Energien zügig ausbauen statt ausbremsen

Der wichtigste Antrieb für den Ausbau der Erneuerbaren Energien war und ist das Erneuerbare-Energien-Gesetz, das im Jahr 2000 in Kraft trat. Durch die jüngste EEG-Reform vom August 2014 wurde der Ausbau der Erneuerbaren allerdings stark gebremst, mit verheerenden Konsequenzen für einzelne Branchen, vor allem für die Bioenergie. Mehr dazu im Dossier EEG.

Mehr Flexibilität für den Energiemarkt

In den kommenden Jahren wird es nicht mehr nur darum gehen, immer mehr Erneuerbare Energie in das bestehende System zu integrieren, sondern unsere Energieversorgung grundlegend umzubauen und den Erfordernissen der Erneuerbaren anzupassen.
Entscheidend ist, dass keine zusätzlichen Kohlekraftwerke gebaut werden und die verbleibenden Kernkraftwerke wie geplant vom Netz gehen, sowie Überkapazitäten durch die Stilllegung alter Kohlekraftwerke abgebaut werden. Denn schlecht regelbare Großkraftwerke, die aus ökonomischen und technischen Gründen auf Dauerbetrieb ausgelegt sind, passen nicht zu den Anforderungen der immer stärker werdenden Erneuerbaren Energien. Um deren variables Stromangebot bedarfsgerecht zu ergänzen, bedarf es für den Übergangszeitraum vielmehr kleinerer und flexiblerer Kraftwerkseinheiten. Mehr dazu im Dossier Strommarktdesign

Erneuerbare Energien werden immer günstiger

Die Stromgestehungskosten Erneuerbarer Energien fallen, weil die sich die Technologien kontinuierlich weiterentwickeln und dabei kostengünstiger und effektiver werden. Das hat im November 2013 auch das Fraunhofer ISE in Freiburg in einer Studie vorgerechnet. Eine Vollversorgung mit Strom und Wärme aus Erneuerbaren Energien ist laut ISE nach erfolgtem Umbau der Energiewirtschaft „kostengünstiger als unser heute im Wesentlichen fossil und nuklear basiertes Energiesystem”. Weiter steigende Preise der fossilen Energien sind dabei noch gar nicht eingerechnet.

Hinzu kommt, dass der Preis der fossilen und atomaren Energien viele Kosten versteckt. Denn Kosten, die durch die Zerstörung des Klimas infolge der CO2-Emissionen, durch die Risiken der Atomkraft und die extrem langfristige Überwachung des Atommülls anfallen, trägt die Allgemeinheit über die Steuern. Würden diese Kosten vollständig in den Strompreis eingerechnet, wären die Erneuerbaren Energien schon heute voll und ganz wettbewerbsfähig. Auch die häufig verbreitete Behauptung, die Strompreise für die Industrie seien in Deutschland im internationalen Vergleich besonders hoch, ist in dieser Allgemeinheit wissenschaftlich nicht haltbar. Das ergab eine Studie des Forums Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) im Auftrag des Bundesverbandes Erneuerbare Energie (BEE). Die Studie kam zu dem Ergebnis, dass die Industriestrompreise für die verschiedenen Branchen stark auseinander klaffen und Teile der deutschen Industrie in den Genuss sehr günstiger Stromkosten kommen. Gerade die stromintensive Industrie profitiert massiv von den fallenden Börsenstrompreisen, die ohne Erneuerbare Energien deutlich höher wären. Weiterlesen: Fragen & Antworten

„Würde man die Folgekosten auf den Strompreis umlegen, müsste diese Umlage für Atom-und Kohlestrom doppelt so hoch ausfallen wie bei den erneuerbaren Energien.“ Prof. Claudia Kemfert (Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung), Kampf um Strom

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