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  • © Stiftung Offshore-Windenergie | Weserwind | Detlef Gehring | 2008

Häufig gestellte Fragen

Steigen durch die Erneuerbaren Energien die Strompreise?

Im Gegenteil: Die Stromgestehungskosten erneuerbarer Energien fallen, weil sich die Technologien kontinuierlich weiterentwickeln und dabei kostengünstiger und effizienter werden. Dahingegen führen die fossilen Energien - Kohle, Öl und Gas - langfristig zu immer höheren Kosten.

Das hat im November 2013 auch das Fraunhofer ISE in Freiburg in einer Studie vorgerechnet. Eine Vollversorgung mit Strom und Wärme aus Erneuerbaren Energien ist laut ISE nach erfolgtem Umbau der Energiewirtschaft „kostengünstiger als unser heute im Wesentlichen fossil und nuklear basiertes Energiesystem”. Weiter steigende Preise der fossilen Energien sind dabei noch gar nicht eingerechnet.

Hinzu kommt, dass der Preis der fossilen und atomaren Energien viele Kosten versteckt. Denn Kosten, die durch die Zerstörung des Klimas infolge der CO2-Emissionen, durch die Risiken der Atomkraft und die extrem langfristige Überwachung des Atommülls anfallen, trägt die Allgemeinheit über die Steuern. Würden diese Kosten vollständig in den Strompreis eingerechnet, wären die Erneuerbaren Energien schon heute voll und ganz wettbewerbsfähig.

Das große Angebot Erneuerbarer Energien senkt schon heute die Börsenstrompreise. Leider werden die sinkenden Preise von den großen Stromanbietern nicht an die Endverbraucher weitergegeben. Wäre dies der Fall, wären die Strompreise für Haushalte und mittelständige Wirtschaft deutlich niedriger.

Die EEG-Umlage ist laut Mittelfristprognose bis 2017 stabil und wird daher nicht zu einer Erhöhung der Strompreise beitragen.

Vertreiben hohe Strompreise inzwischen die Industrie aus Deutschland?

Nein. Unternehmen profitieren einerseits von den niedrigen Börsenstrompreisen, die sich schlicht nach Marktgesetzen aus dem großen Angebot des Stroms aus Erneuerbaren Energien ergeben. Andererseits sind viele Unternehmen von der EEG-Umlage befreit. Vielen Wirtschaftszweigen kommt außerdem zugute, dass sie Aufträge aus der Erneuerbaren-Branche erhalten – etwa die Stahlindustrie aus der Windbranche, aber auch Maschinenbauer, Elektrotechnik, die Chemie- und Baubranche und das Handwerk. Der Wirtschaftsstandort Deutschland wird durch die Energiewende nicht gefährdet, sondern gestärkt.

Eine Studie des Forums Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) belegt, dass stromintensive Betriebe, die von umfangreichen Ausnahmen und Vergünstigungen bei Steuern, Abgaben und Umlagen in Deutschland profitieren, 2013 für ihren Strom im Durchschnitt nur 4,8 Cent zahlten. Im Jahr 2014 wird der genannte Wert unter anderem durch die niedrigen Börsenstrompreise voraussichtlich auf bis zu 4,1 Cent je Kilowattstunde sinken (Stand: Mai 2014). Im Vergleich dazu lag der durchschnittliche Strompreis laut Eurostat in der EU 2013 bei 8,6 Cent. Deutschland ist aber nicht nur wegen seiner niedrigen Industriestrompreise wettbewerbsfähig, sondern auch aufgrund seines hohen Maßes an Netzstabilität. In den USA sind die Ausfallzeiten beispielsweise sechs bis acht Mal so lang wie in Deutschland – ein wichtiger Kostenfaktor. Industrieunternehmen haben daher gar keinen Grund, abzuwandern.

Was passiert, wenn der Wind nicht weht und die Sonne nicht scheint?

Dafür gibt es speicherbare Energien – auch unter den Erneuerbaren. Biogasanlagen werden zum Beispiel in Zukunft vor allem dann Strom erzeugen, wenn Wind und Sonne gerade schwach vertreten sind. Dieses Potenzial zum Ausgleich ist noch längst nicht ausgeschöpft. Eine BEE-Studie aus dem Sommer 2014 erfasst den Beitrag der Bioenergie zur Energiewende und kommt zu dem Ergebnis, dass Biomasse die konventionelle Energie als Must-Run-Sockel ersetzen kann, wenn alle Formen der Regelenergie bereitstehen.

Darüber hinaus wird an vielfältigen Speichermöglichkeiten gearbeitet. Sehr attraktiv ist das sogenannte Power-to-Gas-Prinzip: Mittels überschüssigem Wind- oder Solarstrom wird Wasserstoff oder im zweiten Schritt Methan erzeugt. Methan ist chemisch dem fossilen Erdgas identisch und kann damit in riesigen Mengen im bereits bestehenden Gasnetz gespeichert werden. Die überschüssige Energie wird so transportabel gespeichert und kann zeitlich und räumlich versetzt wiederverwendet werden.

Kleine, dezentrale Speicher sind schon heute verfügbar und vor allen für diejenigen interessant, die selbst erzeugten Sonnenstrom bestmöglich nutzen wollen.

Neben Biomasse, Power-to-Gas und Speichereinsatz gibt es noch weitere Flexibilitätsmaßnahmen wie Lastenmanagement, Kraft-Wärme-Kopplung oder etwa die Nutzung überschüssigen Stroms im Wärmemarkt oder für Elektromobilität. All diese Flexibilitätsoptionen werden in der BEE-Studie Strommarkt-Flexibilisierung vorgestellt. Die Studie belegt, dass genügend Optionen existieren, um die Systemstabilität dauerhaft zu gewährleisten.

Wo bleiben die versprochenen Arbeitsplätze, wenn die Solartechnik zunehmend aus China kommt?

Rund 371.400 Arbeitsplätze gibt es zurzeit im Sektor der Erneuerbaren Energien. Ein Rückgang bei der Solarenergie wurde durch eine Zunahme bei Windkraft kompensiert.

Allein die bundesweite Wertschöpfung der erneuerbaren Stromerzeugung belief sich 2012 schon auf 11 Milliarden Euro. Rechnet man indirekte Wertschöpfungseffekte mit, kommen noch einmal 8,5 Milliarden Euro hinzu.

Denn auch die asiatischen Fabriken fertigen zumeist auf Maschinen aus Deutschland. Auch die Systemtechnik, wie etwa die Wechselrichter, kommt oft aus Deutschland. Zudem profitiert das Handwerk erheblich von der Nutzung der Erneuerbaren Energien, sowohl im Strom- wie auch im Wärmesektor. Forschung und Entwicklung der Erneuerbaren-Branche sind nach wie vor stark in Deutschland vertreten. Das wird aber nur so bleiben, wenn Deutschland auch in Zukunft ein attraktiver Absatzmarkt bleibt.

Im Sektor der Bioenergie sind deutsche Firmen ohnehin stark vertreten, weil hier jede einzelne Anlage individuell projektiert werden muss. Hinzu kommt die Rohstoffgewinnung, die im Inland erhebliches Arbeitsplatzpotenzial bietet.

Maiswüsten für Biogas und Windräder auf jedem Berg, ist das die Zukunft unserer Landschaft?

Unser Energiebedarf hat schon immer die Landschaft verändert – sehr deutlich zeigt das der Braunkohletagebau im Rheinland und in der Lausitz, wo ganze Dörfer umgesiedelt wurden und weitere verschwinden sollen. Im Vergleich dazu sind Windräder der deutlich geringere Eingriff. Hinzu kommt, dass auch durch den Klimawandel, den die Kohlekraftwerke bewirken, sich die Landschaften durch Verschiebungen der Vegetationszonen verändern werden.

Und was das Biogas betrifft: Dass der Mais in der Vergangenheit zu sehr dominiert hat, ist der Biogasbranche bewusst. Sie unternimmt daher bereits erhebliche Anstrengungen, die Vielfalt auf den Äckern zu erhöhen. Sehr erfolgreiche Versuche gibt es seit einigen Jahren mit Wildpflanzenmischungen. Deren Energieerträge sind beachtlich. Die mehrjährigen Kulturen erfordern wenig Aufwand und ihr ökologischer Wert ist enorm; die Artenvielfalt und die Attraktivität für Bienen sind hoch. So kann die Energiegewinnung vom Acker in Zukunft mit der Schaffung von Biotopen Hand in Hand gehen – erkennbar ist das auch daran, dass in jüngster Zeit die Imker immer öfter mit der Biogasbranche ins Gespräch kommen. Ein Projekt, das die Artenvielfalt durch Biomasseanbau erhöht, ist zum Beispiel „Farbe ins Feld“ vom Fachverband Biogas e.V.

Ist die Energiewende sozial ausgewogen?

Rund die Hälfte der Anlagen zur Nutzung Erneuerbarer Energien in Deutschland wurde von Privatleuten und Landwirten installiert. In der Vergangenheit verdienten hingegen vor allem die großen Energiekonzerne an jeder Kilowattstunde Strom, die in Haushalten verbraucht wurde. Eon, RWE, EnBW und Vattenfall erzielten Jahr für Jahr Milliardengewinne, vor allem mit ihren abgeschriebenen Kernkraftwerken kann pro Tag bis zu einer Million Euro Gewinn gemacht werden.

Durch die Erneuerbaren Energien findet nun eine Demokratisierung der Stromerzeugung statt. Ein Großteil der Erzeugungsanlagen befindet sich heute in den Händen von Bürgern, Genossenschaften, Landwirten oder mittelständischen Firmen. Gerade auch durch die im ganzen Land boomenden Bürgerenergiegenossenschaften bietet die Energiewende einer breiten Bevölkerung die Möglichkeit, an den Gewinnen aus der Stromerzeugung teilzuhaben. Die Zahl der Genossenschaften lag Ende 2014 bereits bei 973, die Zahl der Mitglieder bei über 130.000. Einsteigen kann man bei den Genossenschaften oft schon ab 100 Euro.

Zudem ist die Energiewende auch deswegen sozialpolitisch sinnvoll, weil nur sie in Zukunft noch eine bezahlbare Energieversorgung garantieren kann. Denn die fossilen Energien werden knapper und damit teurer, nachdem die weltweite Ölförderung ihren Höhepunkt erreicht hat.

Nicht zuletzt sind Erneuerbare Energien sozial gerecht, wenn man an die Verantwortung für nachfolgende Generationen denkt.