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Erneuerbare Energien - ein Gewinn für Europa

Kernpunkte für die Europäische Energiewende

Bereits heute arbeiten mehr als eine Millionen Europäerinnen und Europäer im Bereich Erneuerbarer Energien. Eine nachhaltige Energieversorgung auf Basis regenerativer Quellen trägt maßgeblich dazu bei, die Wettbewerbsfähigkeit der EU zu erhöhen, unser Energiesystem zu modernisieren und Innovationspotenziale zu nutzen. Windkraft, Bioenergie, Solarenergie, Wasserkraft und Geothermie machen Europa unabhängiger von Energieimporten und schwankenden Rohstoffpreisen und tragen damit zu einer höheren Wertschöpfung in den Regionen sowie zu einer nachhaltigen Verbesserung der Versorgungssicherheit bei.

Erneuerbare Energien sorgen für eine höhere Stabilität des Energiesystems und der Volkswirtschaft im Allgemeinen. Gerade in den ländlichen Regionen Europas sind Erneuerbare Energien ein wichtiger Treiber der Wertschöpfung und tragen dazu bei, dass diese Regionen ihr Potenzial ausschöpfen können und die Wirtschaft gestärkt wird. Hinzu kommen beeindruckend technologische Fortschritte und Kostensenkungen: Erneuerbare Energien sind schon heute die preiswerteste Option für die Stromerzeugung aus neu-installierten Kapazitäten.

Die BEE Vorschläge auf einen Blick

Mit den folgenden Vorschlägen möchte der Bundesverband Erneuerbare Energie e.V. dazu beitragen, die voranschreitende Klimakrise zu begrenzen, Europas Wirtschaft zu modernisieren, Bezahlbarkeit und Versorgungssicherheit auf Basis Erneuerbarer Energien zu gewährleisten und Erneuerbare Energien zur Leitenergie in allen Sektoren weiterzuentwickeln.

1) Ausbau beschleunigen

Das Tempo für den sektorenübergreifenden Ausbau der Erneuerbaren Energien muss deutlich erhöht werden, um die notwendigen Emissionsreduktionziele zu erreichen.

Der aktuell geplante Zubau von Erneuerbaren Energien in der EU auf 32 Prozent am Brutto-Endenergieverbrauch im Jahr 2030 wird bei weitem nicht ausreichen, um die vollständige Dekarbonisierung des Energiesystems bis 2050 auf den Weg zu bringen und das Pariser Klimaabkommen zu erfüllen.

Die in der Neufassung der Erneuerbaren-Energien-Richtlinie enthaltene Klausel zur „upward review“ im Jahr 2023 muss daher genutzt werden, um das Erneuerbare Energien-Ausbauziel und das Energieeffizienz-Ziel für 2030 auf mindestens 45 Prozent zu erhöhen.

Der IPCC Sonderbericht zum 1,5 Grad Ziel hat gezeigt, dass ein wirksamer Klimaschutz und eine beschleunigte Energiewende essentiell sind. Die für dieses Jahr geplante Langzeit-Dekarbonisierungsstrategie der EU muss dieser Dringlichkeit Rechnung tragen und einen auf Erneuerbaren Energien basierenden Pfad hin zur Klimaneutralität vorgeben. Die Europäische Union wird damit energiepolitische Zielsetzungen für die nächsten 30 Jahre vornehmen.

Die EU-Kommission hat Ende 2018 in ihrem Entwurf das Ziel der Klimaneutralität bis spätestens 2050 vorgeschlagen – die Mitgliedstaaten sollten sich konstruktiv an der Erarbeitung geeigneter Instrumente für dieses Ziel beteiligen. Wie man diese Ziele erreichen könnte, hat die Kommission in mehreren Pfaden modelliert, wobei jedoch ein dringend notwendiger Aufbruch-Charakter fehlt. Angesichts des IPCC-Sonderberichts ist es wichtig, dass die EU die vollständige Dekarbonisierung bis 2050 mit klaren Zwischenzielen und Maßnahmen untermauert.

Das aktuelle Emissionsreduktionsziel der EU von 40 Prozent bis 2030 gegenüber 1990 wird nicht ausreichen, um eine CO2-Neutralität bis spätestens 2050 zu gewährleisten. Es sollte auf mindestens 55 Prozent angehoben werden.

2) Faire Marktbedingungen

Um das wirtschaftliche Potenzial der Erneuerbaren Energien auszuschöpfen, müssen faire Wettbewerbsbedingungen auf dem Energiemarkt geschaffen werden.

Ein wirksamer CO2-Preis und die Internalisierung der Kosten anderer umwelt- und gesundheitsschädlicher Auswirkungen sind der Schlüssel für eine marktwirtschaftlich organisierte Energiewende. Die bevorstehende Novellierung der EU-Beihilfeleitlinien sollte genutzt werden, um einen Rahmen für den Ausbau Erneuerbarer Energien zu schaffen. Zugleich sollten die Förderhöchstsätze der Allgemeinen Gruppenfreistellungsverordnung (AGVO) von bisher 45 Prozent deutlich angehoben werden, um die Förderbedingungen für Erneuerbare Energien zu verbessern.

Noch immer bestehende Subventionen für fossile und nukleare Energieträger müssen zügig beendet werden. Langfristige Investitionen in die Infrastruktur sollten ausschließlich genehmigt werden, wenn sie bei der Umstellung auf Erneuerbare Energie dienlich sind.

Essenziell für ein „Level-playing field“ auf den Energiemärkten ist ein wirksamer CO2-Preis. Der Europäische Emissionshandel (ETS) reicht auch nach den Reformen für die vierte Handelsperiode (2021 - 2030) nicht aus, um einen stabilen und wirksamen Preis für CO2 zu bilden. Der ETS muss daher zeitnah reformiert und auf das Pariser Klimaschutzabkommen sowie neue CO2-Reduktionsziele der EU ausgerichtet werden. Um sicherzustellen, dass der ETS die ökonomischen Mindestanforderungen für die Zielerreichung abbildet und die Unternehmen ausreichend Planungssicherheit für Investitionen haben, ist es wichtig, einen europäischen CO2-Mindestpreis einzuführen.

Darüber hinaus sollte auch im Wärmesektor eine CO2-Bepreisung eingeführt werden, um auch hier faire Spielregeln zwischen den Energieträgern herzustellen und einen marktwirtschaftlichen Anreiz zur CO2-Einsparung zu geben. Zusätzliche Steuereinnahmen sollten vollständig an die Haushalte rückvergütet werden. Durch diese Rückerstattung werden viele Haushalte – insbesondere jene mit niedrigen und mittleren Haushaltsnettoeinkommen sowie die meisten Familien – unterm Strich sogar entlastet.

3) Sektorenkopplung und Digitalisierung nutzen

Für die Energiewelt von morgen können nicht die Regeln von gestern gelten: Um das Potenzial der Sektorenkopplung und der digitalen Vernetzung zu nutzen, bedarf es regulatorischer Rahmenbedingungen auf europäischer Ebene.

Deutliche Fortschritte bei der Sektorenkopplung sind nötig, um die effiziente Transformation des Energiesystems hin zu einer Erneuerbaren und CO2-neutralen Versorgung voranzutreiben. Mit den richtigen Weichenstellungen – wie z.B. einer Umstellung des Abgabensystems – können die Sektoren Strom, Wärme, Mobilität und Industrie sinnvoll verknüpft und die Versorgungssicherheit gestärkt werden. Damit sektorenkoppelnde Technologien kostengünstig zur Verfügung stehen, müssen Komponentenhersteller und Projektierer Lösungen im großen Maßstab umsetzen können. Dazu gehören effiziente Power-to-Heat Technologien in Verbindung mit Großwärmespeichern oder Elektrolyse-Anlagen in großem Maßstab, um deren Kostendegression zu ermöglichen.

Die Optimierungsprozesse im Rahmen der Sektorenkopplung erfordern eine digitale Verarbeitung von Energiedaten, möglichst in Echtzeit. Dies setzt klare Europäische Rahmenbedingungen für die sichere Erfassung und Nutzung von Energiedaten voraus. Eine auf Energiewende und Sektorenkopplung ausgerichtete Digitalisierungsstrategie verstärkt die digitale Vernetzung von Erneuerbare-Energien-Anlagen, Speichern und Verbrauchern, beispielsweise in virtuellen Kraftwerken. So können eine effektive Vermarktung und die weitere Optimierung des Einsatzes Erneuerbarer Energien erreicht werden.

4) Dezentralität und Eigenverbrauch voranbringen

Die Umstellung auf ein nachhaltiges Energiesystem betrifft nicht nur die Industrie, sondern alle Lebensbereiche der Europäerinnen und Europäer. Es bedarf eines legislativen Rahmens, der es allen erlaubt, davon zu profitieren.

95 Prozent der Deutschen unterstützen den stärkeren Ausbau Erneuerbarer Energien. Damit die Energiewende europaweit auch weiterhin von den Bürgerinnen und Bürgern mitgetragen wird, muss der Ausbau unter Einbeziehung der vor Ort betroffenen Bevölkerung nachhaltig und naturschonend erfolgen. Außerdem müssen Möglichkeiten und Anreize entstehen, sich an der Energiewende zu beteiligen und konkret davon zu profitieren. Bürgerenergieprojekte, Energiegenossenschaften und Mieterstrommodelle dürfen nicht mit bürokratischen und regulatorischen Anforderungen überfrachtet werden. Auch die Rechte von Prosumern müssen weiterhin gestärkt werden.

5) Wärme und Kälteerzeugung auf Erneuerbare Energien umstellen

Im Gebäudesektor muss der Energieverbrauch deutlich gesenkt und die Wärmeversorgung von Wohn- und von Nichtwohngebäuden auf Erneuerbare Energien umgestellt werden.

Im Wärmesektor muss das Ziel die weitgehende Klimaneutralität von Gebäuden sein. Dafür ist es erforderlich, dass die Mitgliedsstaaten konkretere Vorgaben über einen Mindeststandard für Neugebäude festlegen. Nur so können die Klimaziele erreicht werden.

Für den Gebäudebestand sollten europaweit zielgerichtete Fördermaßnahmen und finanzielle Anreize für Gebäudesanierungen, der vermehrte Einsatz von effizienzsteigernden Maßnahmen und der Einsatz von Erneuerbaren Energien möglich sein und durch alle Mitgliedsstaaten – ggf. in Teilbereichen durch EU-Mittel kofinanziert – gefördert werden. Sinnvoll sind adäquate Vorgaben darüber, wieviel Energie pro Quadratmeter Bestandsgebäude in der EU zukünftig höchstens verbrauchen dürfen. Diese müssen schrittweise gesenkt werden, um den Eigentümern von Gebäuden mit sehr hohem Energieverbrauch einen Anreiz zu setzen, die Gebäude zu modernisieren.

Ökodesign und Energieverbrauchskennzeichnungen sollten so weiterentwickelt werden, dass die Energieeinsparung und die Umstellung auf Erneuerbare Gebäudewärme weiter vorankommen. Elektrisch betriebene Einzelraumfeuerungen müssen der Energieeffizienz-Kennzeichnung unterliegen.

6) Mobilitätssektor auf die Zukunft ausrichten

Im Verkehrssektor muss der Einsatz fossiler Kraftstoffe rasch reduziert werden. Eine Vielfalt an nachhaltigen Alternativen – darunter Biokraftstoffe und Elektromobilität mit regenerativem Strom – sorgen zukünftig für eine moderne Mobilität.

Die klimafreundliche Umgestaltung des Verkehrs ist nur durch eine Kombination verschiedener Maßnahmen möglich: durch eine massive Reduzierung des Einsatzes fossiler Kraftstoffe, dem Wechsel auf neue Antriebstechnologien, der verstärkten Nutzung von Erneuerbarem Strom, Biokraftstoffen und strombasierten Kraftstoffen, der Errichtung notwendiger Infrastruktur und attraktiven Anreizen für ein modernes Mobilitätsverhalten.

Nachhaltige Biokraftstoffe leisten heute mit Abstand den größten Beitrag zur Treibhausgasminderung im Individual- und Wirtschaftsverkehr. Der Beitrag nachhaltiger Biokraftstoffe muss daher gesichert und schrittweise ausgebaut werden.

Des Weiteren sind regenerative Kraftstoffe (E-Fuels) ein wichtiges Element zur Minderung der Klimaschädigung des bestehenden Verkehrs.

Elektromobilität trägt durch ihre hohe Effizienz zur Erreichung der energie- und klima-schutzpolitischen Ziele bei, hilft die Luftschadstoff- und Lärmbelastung in Städten zu reduzieren und ist auch aus industriepolitischen Gründen ein Gewinn. Die Wertschöpfungskette für die Elektromobilität inklusive des Aufbaus einer europäischen Batteriezellenfertigung muss im internationalen Vergleich Schritt mit der Technologieentwicklung halten. Die Versorgung von Elektrofahrzeugen und der nötigen Wertschöpfungskette muss aus zusätzlichen Erneuerbare Energien-Anlagen erfolgen.


Infrastrukturen für die Mobilität von morgen müssen europäisch gedacht werden. Der Aufbau einer kompatiblen und leistungsfähigen Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge sollte daher zügig vorangetrieben werden, um auf den künftig verstärkten Einsatz der Elektromobilität vorbereitet zu sein. Zudem sollten auch langfristige Projekte von überregionalem Charakter, wie die Ausrüstung von europäischen Hauptverkehrsrouten mit einer Infrastruktur für Oberleitungs-LKW, koordiniert werden.

Um die Umstellung zu beschleunigen, sollten spätestens ab dem Jahr 2030 nur noch Fahrzeuge neu zugelassen werden, die CO2-neutral oder CO2-frei betrieben werden. Neben der Elektromobilität bedarf es auch biogener und strombasierter Kraftstoffe, um fossile Kraftstoffe zu verdrängen. Regulatorische Rahmenbedingungen sind dringend notwendig, um die Entwicklung neuer Fahrzeugserien frühzeitig voranzutreiben.

Ihre Ansprechpartnerin

Frau
Marie Wettingfeld
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