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Durchgestartet: Sieben erfolgreiche Gründer, die unsere Energiewelt erneuern

Kaum eine Branche ist so innovativ und kann so viele erfolgreiche Start-ups aufweisen wie die Energiebranche. Weltweit entwickeln Gründerinnen und Gründer neue Lösungen, die GreenTec und Klimaschutz zusammenbringen. Die meisten Jungunternehmer verfolgen das gleiche Ziel: eine bezahlbare, sichere und effiziente Versorgung mit sauberer Energie.

Wir stellen zum Tag der Erneuerbaren Energien sieben erfolgreiche Unternehmen vor, die das gesamte Spektrum der Erneuerbare Energien-Branche zeigen: von neuen Speicherlösungen über die Digitalisierung bis hin zur Wärmeversorgung. Wie haben sie es geschafft, regulatorische Hürden zu überwinden, mit dem rasanten Fortschritt mitzuhalten und Technologien schneller weiterzuentwickeln als die Konkurrenz?

Digital Energy Solutions GmbH & Co. KG

Die Geschäftsführer von Digital Energy Solutions gemeinsam mit den Vertretern von BMW und Viessmann (v.l.n.r.): Dr. Joachim Kolling (BMW), Ulrich Schmack und Thorsten Nicklaß (Geschäftsführung Digital Energy Solutions), Joachim Janssen (Viessmann).

Digital Energy Solutions aus München bietet seit Dezember 2015 Lösungen für kleine und mittelständische Betriebe an, die ihre Stromkosten senken und gleichzeitig etwas für das Klima tun wollen. Damit bewegt sich das Joint Venture von BMW und Heiztechnik-Spezialist Viessmann im zukunftsträchtigen Feld von Energieeffizienz, Digitalisierung und der Verschmelzung von Strom, Wärme und Mobilität. Denn neben einer höheren Effizienz bietet es auch Optionen für Elektroautos und Energieerzeugung und -speicherung.

Was war bislang Ihre größte Herausforderung beim Durchstarten als erfolgreicher Gründer?

"Es ist eine spannende Aufgabe, ein Joint Venture zweier Traditionsfirmen wie BMW und Viessmann als ,Mütter' aufzubauen. Das Aufeinandertreffen von Automobilindustrie und Wärme-/Kälte-/Klimabranche im Bereich Energie, sozusagen im Zentrum der Sektorkopplung unterwegs zu sein, ist inspirierend und ermöglicht es, für unsere Kunden nachhaltige Synergieeffekte zu schaffen. Die Umsetzung der Sektorkopplung von Strom, Wärme und Mobilität im Alltag ist immer wieder eine komplexe Herausforderung, die aber ungemein Spaß macht. So ermöglichen wir es beispielsweise Unternehmen, durch PV-Anlagen selbst erzeugten Strom in ihren Elektrofahrzeugen zu verwenden, in Wärme umzuwandeln oder in Batteriesystemen zu speichern und entwickeln die richtigen Strom-Tarifangebote für diese steuerbaren Verbraucher. Konkret bieten wir beispielsweise auch Privatkunden einen innovativen nachhaltigen Wärmepumpentarif zur wirtschaftlichen Nutzung ihrer Wärmepumpen an."


Was sind für Ihr Unternehmen jetzt die nächsten Schritte?

"Wir bauen unser Portfolio Schritt für Schritt weiter aus. Unsere Unternehmenskunden erhalten von uns umfassende Begleitung, was ihr Energiesystem betrifft: von digitalem Energiemonitoring, Energieberatung und -auditierung, Ladelösungen für Elektromobilität, Eigenerzeugung und Speichersystemen bis hin zu innovativen Stromprodukten gemeinsam mit Partnern, bieten wir ein „Rundum-Sorglos-Paket“ für die Energiefragen unserer Zeit."

Localpool.de

Unter dem Namen Localpool hat das Münchner Unternehmen buzzn ein Konzept für den Verbrauch von selbst erzeugtem Grünstrom direkt vor Ort entwickelt. Anstatt den Strom aus der eigenen Photovoltaik-Anlage oder dem Blockheizkraftwerk dem Netzbetreiber zu überlassen, bündelt das Dienstleistungspaket Localpool die Stromanschlüsse in Gebäuden und sorgt dafür, dass der Strom über das Hausnetz direkt zu den Steckdosen der Mieter, Miteigentümer oder sonstigen Parteien fließt. Neben der Minimierung von Übertragungsverlusten spart das auch noch Geld, was allen Teilnehmern zugutekommt.

Was war bislang Ihre größte Herausforderung beim Durchstarten als erfolgreicher Gründer?
„Mieterstrom“, also die direkte Vermarktung von dezentral und kleinteilig produziertem Eigenstrom an die Parteien im Haus, ist für uns der Inbegriff der ökologischen und sozialen Energiewende. Trotzdem – oder vielleicht gerade deshalb – stellt die teils fehlende, teils unbrauchbare oder überbordend bürokratische Gesetzeslage unsere größte Herausforderung bei der Realisierung von Mieterstrom-Projekten dar. Interessanterweise auch vordergründig wohlmeinende Gesetzgebung, wie z. B. die zur Stromkennzeichnung. Wir sehen dies allerdings gelassen. Denn die Energiewende von unten ist in vollem Gange und neue Kulturtechniken im Energiesektor, wie z. B. die Kooperation, das Geben und Nehmen oder das Teilen, werden sich früher oder später auch in geeigneten Rechtsnormen wiederspiegeln."


Was sind für Ihr Unternehmen jetzt die nächsten Schritte?

"Unser Auftrag ist es, inspirierte Stromgeber dabei zu unterstützen, mit Menschen in ihrer Nähe gemeinsam für die ökologische und soziale Transformation unseres Energiesystems zu arbeiten. In diesem Sinne bauen wir buzzn derzeit zu einer vollwertigen Platform aus, auf der alle Dienste zur Verfügung stehen, die es dafür braucht. Zunächst rund um Strom, perspektivisch auch für andere Energieträger bzw. Gebrauchsgüter wie Gas, Öl, Wärme und Wasser."

Mobisol GmbH

Thomas Gottschalk, der Gründer von Mobisol, bei der Eröffnungsfeier der Unternehmensaktivitäten in Kenia im Februar 2016

Das Berliner Unternehmen Mobisol hat seit der Gründung im Jahr 2010 bereits über 70.000 Solar-Home-Systeme für Haushalte in Kenia, Tansania und Ruanda installiert, und ermöglicht damit vielen Menschen, die bislang ganz ohne Strom auskommen mussten, einen Zugang zu sauberer Energie. Die Kunden zahlen die monatlich fälligen Raten von ihren Mobiltelefonen aus. Nach drei Jahren besitzen sie ihre eigene, persönliche Stromquelle. Das steigert nicht nur die Lebensqualität der Menschen vor Ort, sondern bestätigt den Erfolg und die Nachhaltigkeit des Geschäftsmodells.

Was war bislang Ihre größte Herausforderung beim Durchstarten als erfolgreicher Gründer?

"Trotz zahlreicher Unterstützer sowohl aus Deutschland als auch in unseren Märkten war es für uns immer ein Prozess mit vielen kleineren Hürden ein großes Team in einem neuen Land aufzubauen. Für unsere Dienstleistungen benötigen wir eine umfangreiche Infrastruktur – von der Marktforschung bis zum Wartungstechniker. All dies hat viele Einblicke gewährt und uns um einige Erfahrungen reicher gemacht. Mittlerweile haben wir Teams, die sich um Talent Management, unsere Akademie, unsere Organisationsentwicklung und vieles mehr kümmern und die Skalierung damit vereinfachen."

Was sind für Ihr Unternehmen jetzt die nächsten Schritte?

"Mobisol sucht derzeit nach geeigneten Partnern, um weitere Innovationen zu pilotieren und das Geschäftsmodell in neue Märkte zu tragen. Wir haben bereits in unserem jüngsten Markt Kenia einen kompetenten lokalen Partner. Dies vereinfacht unsere täglichen Aktivitäten sehr – wir können unsere Stärken wie Vertrieb, Vermarktung und Distribution einbringen und unser Partner seine Kenntnisse vor Ort, gerade im rechtlichen und administrativen Bereich. Ähnliche Kooperationen wünschen wir uns auch anderorts"

Next Kraftwerke GmbH

Die Geschäftsführer von Next Kraftwerke: Hendrik Sämisch (links) und Jochen Schwill.

Next Kraftwerke betreibt eines der größten Virtuellen Kraftwerke Europas, das die volatile Erzeugung von Strom aus Erneuerbaren Energien perfekt mit dem tatsächlichen Strombedarf in Einklang bringt. Seit 2009 schließt Next Kraftwerke dafür über sein Leitsystem Stromproduzenten zusammen, die Biogasanlagen, Photovoltaik-Anlagen, kleinere Wasserkraftwerke und Windkraftanlagen betreiben. Den gebündelten Strom verkauft das Kölner Unternehmen an der Strombörse oder direkt an Netzbetreiber. Die Erlöse werden mit den Erzeugern geteilt.

Was war bislang Ihre größte Herausforderung beim Durchstarten als erfolgreicher Gründer?

"Die größten Herausforderungen unserer Gründungsphase lassen sich klar umreißen: Zum einen galt es, dafür zu sorgen, dass der regulatorische Rahmen des Regelenergiemarktes angepasst wurde, um als Virtuelles Kraftwerk aus gebündelten Anlagen zur Erzeugung von Strom aus Erneuerbaren Energien Regelenergie anbieten zu können. Zum anderen war der starke Kundenzuwachs eine große Herausforderung, da wir sicherstellen mussten, diesen sowohl technologisch als auch organisatorisch auf einem hohen Qualitätsniveau zu meistern. Beides ist uns, in einem stark kompetitiven Umfeld, erfolgreich gelungen."

Was sind für Ihr Unternehmen jetzt die nächsten Schritte?

"Die Zeichen stehen derzeit klar auf Internationalisierung. Unser Fokus liegt dabei auf Europa. Wir sind bereits in Frankreich, Belgien, Österreich, Polen und seit Frühjahr 2017 auch in der Schweiz und in Italien aktiv und bauen unsere internationale Präsenz weiter aus. Zudem integrieren wir neue, digitale Energietechnologien in unser Virtuelles Kraftwerk. Hierzu zählt beispielsweise die Power-to-Gas-Lösung der Stadtwerke Haßfurt, die aus Windenergie Wasserstoffgas erzeugt und über deren Performance wir in unserem Blog „Aus Sturm wird Gas (A storm turns to gas)“ berichten."

Thermondo

Philipp Pausder, Co-Gründer und Geschäftsführer von Thermondo

Der Heizungsbauer Thermondo treibt seit 2012 die digitale Revolution im Handwerk voran. Das Unternehmen digitalisiert den Austausch von Heizungen. Dafür füllen Kunden einen Fragebogen auf der Webseite des Start-ups aus, Thermondo sucht dann eine passende Heizung, die CO2-Emissionen spart. Auch die Montage der neuen Heizgeräte übernimmt Thermondo durch eigene festangestellte Handwerker in ganz Deutschland. Mittlerweile beschäftigt das Berliner Start-up 300 Mitarbeiter an mehr als 50 Standorten deutschlandweit.

Was war bislang Ihre größte Herausforderung beim Durchstarten als erfolgreicher Gründer?

"Wir arbeiten daran, den Heizungswechsel zu digitalisieren und entwickeln Möglichkeiten, mit denen Haushalte ganz einfach ihre Energieeffizienz steigern können. Das ist eine große Herausforderung, der wir uns sehr gern stellen - und das gelingt uns immer besser."

Was sind für Ihr Unternehmen jetzt die nächsten Schritte?

"Vor ein paar Monaten haben wir erfolgreich unser Sorglos-Heizungscontracting Thermondo 365 eingeführt. Unser Ziel ist es, unseren Kunden ihre gewünschte Wohlfühl-Temperatur als All-inclusive-Paket anzubieten. In Zukunft werden Hauseigentümer bei uns ein Temperaturniveau kaufen, das wir ihnen auf Basis effizienter Technik und günstigem Energieträger bieten werden."

ubitricity

Die beiden Gründer von ubitricity: Dr. Frank Pawlitschek (links) und Knut Hechtfischer

Das 2008 in Berlin gegründete Unternehmen hat einen mobilen Stromzähler entwickelt. Auf dieser Basis wird es möglich flächendeckende, günstige Ladeinfrastruktur für Elektroautos aufzubauen da ein Teil der Technik, die üblicherweise in einem Ladepunkt benötigt wird, in ein intelligentes Ladekabel verlagert wird. Für dieses Ladekabel wird ein Mobilstromvertrag abgeschlossen und wann immer an den entsprechenden Ladepunkten geladen wird, geschieht das kWh-genau und zu den günstigen Konditionen des Mobilstromertrags. Gleich ob hier oder an Fremdladepunkten geladen wird, alle Ladevorgänge werden einfach, sicher & transparent auf einer Rechnung erfasst und abgerechnet. Das Unternehmen kann so für jede Anforderung die richtige Lade- und Abrechnungslösung für die Elektromobilität anbieten- insbesondere mit Lösungen für Stadtwerke, Flotten- und Fuhrparkmanagement, Immobilienwirtschaft aber auch für Endkunden.

Was war bislang Ihre größte Herausforderung beim Durchstarten als erfolgreicher Gründer?

"Als wir anfingen, steckte die Elektromobilität noch in den Kinderschuhen. An der Stelle war der Ausspruch Henry Fords ganz passend der meinte, wenn er die Menschen gefragt hätten, was sie sich wünschten, wären es schnellere Pferde gewesen. Denn auch mit unserer Idee, auf der Basis eines mobilen Zählers neue, intelligente Lade- und Abrechnungslösungen für die Elektromobilität anzubieten, waren wir der Zeit voraus.
Daher haben wir Zeit gebraucht, bis wir dem Markt erfolgreich beweisen konnten, dass unser Ansatz für alle von Vorteil ist. Mit den günstigen, überall einfach zu installierenden Ladepunkten und dem intelligenten Kabel samt damit verbundenen Mobilstromvertrag können wir auch für die vermeintlich kniffligen Anwendungsfälle des Ladens, wie z.B. in Mehrparteienhäusern, einfach passende Lösungen anbieten. Und gut Ideen sind aktuell einfach sehr gefragt."

Was sind für Ihr Unternehmen jetzt die nächsten Schritte?


"Wir haben eine überzeugende Lösung entwickelt mit der es möglich wird, Ladeinfrastruktur überall günstig aufzubauen, wo immer Elektrofahrzeuge parken. Wir und, was noch wichtiger ist, unsere Kunden, sind von dieser Umsetzung überzeugt. Auf dieser Basis ist der nächste natürliche und logische Schritt  den wir verfolgen das Wachstum von ubitricity. Und hierfür sind wir gut aufgestellt. Mittelfristig gilt es aber noch ein weiteres Ziel zu erreichen. Denn unsere Systemlösung kann noch mehr. So arbeiten wir daran, dass sich in Zukunft Elektrofahrzeuge als mobiler Speicher einfach in das Stromnetz integrieren lassen. Damit möchten wir unseren Teil zur Energiewende beitragen."

StromDAO

Kirsten Hasberg und Stefan Thon, zwei der drei Geschäftsführer von StromDAO, beim BEE-Neujahrsempfang 2017. Hier gewannen sie beim Start-up Pitch den BEE-Innovationspreis.

Die StromDAO ist ein blockchainbasierter Stromanbieter und möchte direkte Geschäfte zwischen Stromerzeugern und -verbrauchern möglich machen. Und zwar unabhängig von den Versorgern. Dieser Trend hat das Potenzial, die Energiebranche radikal zu verändern, ähnlich wie die Finanzindustrie. Mithilfe von Blockchain könnten Haushalte künftig flexibel Strom einkaufen: mal einige Wattstunden von der Solaranlage des Nachbarn, vom Gaskraftwerk der lokalen Stadtwerke oder auch vom Windpark in der Nordsee. Verbraucher können gemeinsam einen Wind- oder Solarpark finanzieren und direkt sauberen Strom daraus beziehen. Anstatt der klassischen Stromrechnung gibt es ein online geführtes Stromkonto.

Was ist Ihre größte Herausforderung beim Durchstarten als Gründer?


"Wir sehen uns derzeit vor zwei zentrale Herausforderungen gestellt: Zum einen geht es um die Kommunikation unserer Produkte. Blockchain ist ein komplexes Thema, das in der Öffentlichkeit noch nicht weit verbreitet ist. Daher müssen wir potentiellen Kunden zunächst die Technologie näher bringen. Der Fokus soll schnellstmöglich auf den Anwendungsmöglichkeiten von Blockchain liegen, ähnlich wie es bei dem Zusammenspiel von Smartphone und Apps der Fall war. Zum anderen sind wir auf die Weiterentwicklung der Blockchain angewiesen. Wir nutzen Ethereum, die derzeit zweitgrößte Blockchain, die teils noch langsam ist und viel Rechenleistung benötigt. Sie wird kontinuierlich weiterentwickelt, davon profitieren auch wir."

Was sind für Ihr Unternehmen jetzt die nächsten Schritte? 

"Wir möchten Verbrauchern ermöglichen, dass sie dezentral und direkt Strom einkaufen können. Dafür entwickeln wir neue Hybridstrom-Angebote. Hybridstrom ermöglicht es bereits unter heutigen Bedingungen EE-Strom wettbewerbsfähig zu liefern, ohne EEG. Er kombiniert den klassischen Strombezug mit einem alternativen Strombezug aus Erneuerbaren Energien, der flexibel je nach Kapazität hinzugewählt wird. Dadurch geben wir Verbrauchern die Möglichkeit, die maximale Menge aus Erneuerbarer Energie zu verbrauchen und gleichzeitig genau zu wissen, aus welcher Anlage der Strom stammt.

Diese Transparenz ist auch für die Industrie interessant, da große Unternehmen nicht nur mit grünem Strom werben, sondern ihren Kunden Auskunft darüber geben könnten, von welcher Anlage sie ihren Grünstrom beziehen. Wer mehr über dieses Konzept erfahren möchte, dem sei das Buch von Thorsten Zoerner, einem unserer Geschäftsführer, ans Herz gelegt."

Ihr Ansprechpartner

Herr
Alexander Karasek
Leiter Kommunikation