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Präsentation der BEE Wärme- und Kältestrategie

Effizient Erneuerbar: Was JETZT zum Gelingen einer Erneuerbaren Wärmewende getan werden muss

Am 29. März stellte der Bundesverband Erneuerbare Energie e.V. (BEE) seine Strategie zur Dekarbonisierung des Wärmemarktes vor und trat anschließend in den Dialog mit Vertretern des Finanz- und Wirtschaftsministeriums sowie mit den Vertretern der Erneuerbaren Wärmeverbände. 

„Die Erneuerbaren Energien müssen ihren Stellenwert im Wärmesektor deutlich vorantreiben“, betonte Karl-Heinz-Stawiarski, BEE-Vizepräsident und Sonderbeauftragter des Bundesverbandes Wärmepumpe, in seiner Begrüßung. Wer die Klimaziele von Paris erreichen wolle, „muss mit uns an einem Strang ziehen“, forderte er. Denn bisher werden noch immer knapp 90 Prozent der Wärme und Kälte mit fossilen Energien erzeugt. Die aktuellen Ausbauzahlen der Bundesregierung belegen, dass der stagnierende Anteil Erneuerbarer Energien am Endenergieverbrauch im Wärmesektor im Jahr 2016 sogar noch einmal leicht gesunken ist, auf derzeit 13,4 Prozent.

Die Podiumsdiskussion zur BEE-Wärmestrategie (v.l.n.r.): Robert Brandt (BEE), Hans-Borchard Kahmann (BMF), Dr. Alexander Renner (BMWi), Karl-Heinz Stawiarski (BWP), Martin Bentele (DEPV), Dr. Georg Wagener-Lohse (BBE) und Helmut Jäger (BSW-Solar)

Wir brauchen mehr Dynamik als bisher“, hob Martin Pehnt vom Institut für Energie- und Umweltforschung (Ifeu) hervor, der zusammen mit dem Hamburg-Institut und Malik Management für den BEE die wissenschaftlichen Grundlagen der Strategie erarbeitet hat. Die Neugestaltung des Wärmemarktes sollte demnach mit einem Mix von Technologien vonstattengehen, „um ein optimales wirtschaftliches Ergebnis zu erreichen“. 

Zudem identifizierte Pehnt zahlreiche Hemmnisse, die dem regenerativen Wandel bisher im Weg stehen: niedrige Ölpreise, hohe Anschaffungskosten für Erneuerbare Heiztechnologie sowie eine mangelnde Informiertheit der Endkunden als Resultat aus dem noch immer auf fossile Technologien ausgerichteten Handwerk.

Als Lösung präsentierte der ifeu-Experte ein ganzes Maßnahmenbündel für die Wärmewende.

Maßnahmenbündel der Wärmewende / Dr. Martin Pehnt / ifeu 2016
Maßnahmenbündel der Wärmewende / Dr. Martin Pehnt / ifeu 2016

An erster Stelle steht hier eine klimafreundliche Steuerreform, die faire Wettbewerbsbedingungen schaffen und Verbraucher zu einem klimaverträglicheren Umgang mit Wärme motivieren soll. Eine CO2-Steuer auf fossile Brennstoffe würde demnach richtige Preissignale setzen und die CO2-Belastung effektiv reduzieren, so Pehnt. Dazu gäbe es Rückerstattungen für Bürger und Unternehmen, die in klimafreundliche Technologien investieren. Der Preis pro Tonne CO2 könnte dabei zunächst bei 25 Euro liegen und dann schrittweise angehoben werden. Pehnt zeigte auf, dass sich dieses Modell, in dem CO2-Abgaben über Ermäßigungen in der Sozialversicherung an die Bürger zurückfließen, bereits seit 2008 in der Schweiz bewährt habe.

Der Vorschlag, die bisherige Stromsteuer durch eine CO2-Steuer zu ersetzen, fand in den Bundesministerien für Finanzen und Wirtschaft Anklang: Hans-Borchard Kahmann vom Referat für Energie- und Umweltfragen des Finanzministeriums begrüßte ihn als „einen sinnvollen Ansatz“. Als Kritikpunkt gab er jedoch zu bedenken, dass es Komplikationen dabei geben könnte, eine effiziente Art und Weise der Rückerstattung zu finden.

Auch Dr. Alexander Renner, Leiter des Referats Energiepolitische Grundsatzfragen im Gebäudebereich des Wirtschaftsministeriums (BMWi), räumte ein: „Ich glaube, dass wir eine CO2-Bepreisung brauchen“. Er bekräftigte jedoch auch das Credo des BMWi, Effizienzmaßnahmen bei der Dekarbonisierung voranzustellen und nicht ausschließlich auf Erneuerbare Energien zu setzen.

Um im Wärmemarkt zusätzlich neue Impulse zu setzen, plädieren ifeu und BEE zudem dafür, keine staatlichen Fördermittel mehr für fossil befeuerte Heizungen zur Verfügung zu stellen. Denn in den letzten Jahren haben bei Modernisierungen und effizienten Neubauten immer stärker konventionelle Heiztechniken von staatlicher Förderung profitiert. Hier entgegnete Renner, dass im Wirtschaftsministerium bereits an einer neuen Förderstrategie gearbeitet werde.

Helmut Jäger, Vorstandsmitglied des Bundesverband Solarwirtschaft, sprach sich zudem für die Optimierung des Ordnungsrechts aus, während Martin Bentele, Geschäftsführer des Deutschen Energieholz- und Pelletverbandes, die Rolle des Handwerks betonte, die im Zuge der Wärmewende gestärkt werden müsse.
Mit Blick auf das Wahljahr betonte abschließend Dr. Georg Wagener-Lohse, Vorstandsmitglied des Bundesverband BioEnergie, dass bei der Wärmewende auch die soziale Gerechtigkeit nicht aus dem Blickfeld geraten dürfe. So sollten nicht nur Eigenheimbesitzer, sondern auch Mieterverbände und Gewerkschaften in die Umgestaltung des Wärmemarktes eingebunden werden. Die Branche der Erneuerbaren Energien wird sich hier im Dialog mit Vorschlägen in die Debatte einbringen.

Ihr Ansprechpartner

Herr
Ulf Sieberg
Telefon: 030 / 275 81 70 - 13