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Gemeinsamer Fachdialog mit dem DIHK zum Thema Prozesswärme

Berlin, 24.10.2017. Das Thema Prozesswärme führt im politischen Raum ein Schattendasein. Während alle über die Energiewende als Stromwende sprechen, findet das Thema Prozesswärme, wenn überhaupt einmal der Blick auf die Wärmewende gelenkt wird, gar nicht statt. Dann steht der Wohngebäudesektor meist im Fokus. Und das obwohl 40 Prozent oder 533 Terawattstunden für Prozesswärme in Industrie, Gewerbe-Handel-Dienstleistungen und privaten Haushalten verbraucht werden.

DIHK Berlin

Die BEE-Wärme- und Kältestrategie hat die Bedeutung der Prozesswärme bereits erkannt. Sie konstatiert: Noch weniger als der Gebäudesektor trägt die Prozesswärme bislang zur Wärmewende bei. Wer von der Energie- und Wärmewende spricht, darf also die Prozesswärme nicht unberücksichtigt lassen. Das gilt umso mehr, wer die Energie- und Klimaziele ernst nimmt.

Gemeinsam mit dem Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) hat der BEE aufbauend auf der Energiewerkstatt vom März Ende Oktober dieses Jahres einen Fachdialog zur Nutzung Erneuerbarer Energien in der Prozesswärme durchgeführt. Anhand von Praxisbeispielen aus der Industrie wurde ausgelotet, ob und wo Möglichkeiten für einen stärkeren Einsatz erneuerbarer Energien liegen, welche technischen Restriktionen und welche Effizienzpotenziale bestehen. Aufgrund der unterschiedlichen technologischen Reifegrade wird nach Temperaturbereichen bei der Prozesswärme differenziert. Unter Beteiligung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie wurde diskutiert, wie der Einsatz erneuerbarer Energien in der Prozesswärme stärker erforscht bzw. in der neuen Legislaturperiode umgesetzt werden kann.

Die Vorträge zeigten, welche Potenziale im Prozesswärmebereich schlummern und wo die Hemmnisse liegen. Im Eingangsvortrag von Frau Dr. Antje Seitz vom Deutschen Zentrum für Luft und Raumfahrt wurden die Einsatzchancen Erneuerbarer Energien in den verschiedenen Temperaturbereichen und Branchen sowie die Speichermöglichkeiten verdeutlicht. Herr Willige von der Firma Ritter XL Solar und Herr Schreier von der Firma SmartHeat Deutschland benannten anschließend zahlreiche Beispiele für den Einsatz von Solarthermie und Wärmepumpen in einem Temperaturbereich von meist unter 100°Clesius. Herr Schmidmeier von der Firma NaturEnergie und Herr Dippel von Viessmann warfen ihr Augenmerk stärker auf den mittleren Temperaturbereich zwischen 200° und 500° Celsius. Hier kam vor allem Biomasse, aber auch Strom zum Einsatz. Zum Abschluss der Praxisbeispiele erläuterten Herr Gottfried von der Firma Gottfried Tonwerke, Herr Sprecher von der SHS Infrastruktur GmbH, und Herr Dr. Schichtel von der Nebuma GmbH Chancen und Risiken für den Hoch-Temperaturbereich über 500° Celsius.

In der abschließenden Diskussion wurde konstatiert, dass alle genannten Beispiele bereits heute ohne Förderung realisiert würden. Allerdings bedürfe es gehöriger zusätzlicher Impulse, um von der Strom- wirklich zur Energiewende zu gelangen. Lege man das Energiekonzept der Bundesregierung von 2010 bzw. 2011 zugrunde, würden von den angestrebten 50 Prozent Primärenergieeinsparung lediglich zehn Prozent, wenn überhaupt, erreicht. Für die Energie- und Klimaziele 2020 sähe es düster aus. Ein Grund dafür läge in steigenden Energieverbräuchen. Vor allem aber das niedrige Preisgefüge fossiler Energieträger böte keinen ausreichenden Anreiz, in Erneuerbare Technologien und Energieeffizienz zu investieren. Auf steigende Energiepreise dürfe man sich zudem nicht verlassen. Damit gebe der derzeitige wirtschaftliche Rahmen Gegen- statt Rückenwind. Die Paybackzeiten seien zu lang und unattraktiv für Investitionen in Erneuerbare und Effizienz. Um dies zu ändern, bedürfe es entweder einer Mengensteuerung oder einer Preissteuerung von Energie bzw. CO2. Wahrscheinlich sei, dass neben dem Emissionshandel auch eine CO2-Bepreisung notwendig sei, wollten wir unsere Klimaziele erreichen. In der Industrie müsse es zudem ein Umdenken geben. Die Beispiele seien gut, reichten aber nicht. Genauso wenig würden Effizienznetzwerke ausreichen. Dadurch, dass zu wenig passiere, sei die Politik gezwungen, von ordnungsrechtlichen Vorgaben Gebrauch zu machen. Allerdings könnten gerade im Prozesswärmebereich die schwierige Standardisierung und Skalierbarkeit Probleme schaffen. Daher müsste die Erschließung großer CO2-Einsparpotenziale gemeinsam mit den Ländern auch „händisch“ erfolgen.

Zum Download:

Präsentation: Solare Prozesswärme (DIHT und BEE)

Präsentation: CO2-neutrale Prozesswärme (Technologica GmbH)

Präsentation: Einsatz und Nutzungsmöglichkeiten von HTES (Dr. Martin Schichtel)

Präsentation: Erneuerbare Energien für Prozesswärme aus Sicht der Wissenschaft (Dr. Antje Seitz)


Präsentation: Erneuerbare Energien und Abwärme in der Prozesstechnik (Viessmann)

Präsentation: Optionen für Hochtemperatur-Prozesswärme (VDEh)

Präsentation: Optionen für Hochtemperatur - Prozesswärme in der Keramik - Industrie (Christian Gottfried)

Präsentation: Praxisbeispiele Prozesswärme im Niedertemperaturbereich (SmartHeat)

Als Dachverband der Erneuerbare-Energien-Branche in Deutschland bündelt der BEE die Interessen von 51 Verbänden und Unternehmen mit 30 000 Einzelmitgliedern, darunter mehr als 5 000 Unternehmen. Zu unseren Mitgliedern zählen u. a. der Bundesverband WindEnergie, der Bundesverband Solarwirtschaft, der Fachverband Biogas und der Bundesverband Deutscher Wasserkraftwerke. Wir vertreten auf diese Weise 330 000 Arbeitsplätze und mehr als 3 Millionen Kraftwerksbetreiber. Unser Ziel: 100 Prozent Erneuerbare Energie in den Bereichen Strom, Wärme und Verkehr.

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