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Rückblick auf die BEE-Fachtagung

Ölpreisverfall und mangelnde Versorgungssicherheit beim Erdgas – Chancen und Risiken für die Energiewende

Der stark gefallene Ölpreis bestimmt derzeit die internationale Energiediskussion. Von einem einmaligen weltweiten Konjunkturprogramm sprechen die einen, von einer schwierigen Situation für den Klimaschutz und die Erneuerbaren Energien die anderen. Gleichzeitig ist die Debatte über die Importabhängigkeit Deutschlands von Energierohstoffen in den Hintergrund gerückt. Dabei ist die Ukrainekrise nicht beendet und auch die Situation in anderen Ländern mit großen Erdöl- und Erdgasvorkommen wie dem Irak ist weiterhin beunruhigend. Vor diesem Hintergrund hat die BEE-Fachtagung "Ölpreisverfall und mangelnde Versorgungssicherheit beim Erdgas" Chancen und Risiken für die aktuelle Energiepolitik in Deutschland und für die Energiewende-Unternehmen diskutieret.

Wir haben Dr. Steffen Bukold von EnergyComment gefragt, wie er die Auswirkungen des niedrigen Ölpreises einschätzt.

Welche Chancen und Risiken bietet der Ölpreisverfall für die Erneuerbaren Energien weltweit bzw. in Deutschland?

Dr. Steffen Bukold: Weltweit nutzen viele Länder die günstige Gelegenheit, um Subventionen für Ölprodukte abzubauen, Energiesteuern zu erhöhen oder die Preissysteme insgesamt zu deregulieren. Der niedrige Ölpreis ist also eine Chance, wirtschaftspolitische Fehler ohne großen politischen Aufschrei der Lobbygruppen zu korrigieren.

Aber die Risiken sind ebenfalls nicht zu übersehen: Öl, Gas und Kohle sind in den letzten Jahren weltweit immer billiger geworden. In Wettbewerbsmärkten haben es die Erneuerbaren Energien also schwerer als bisher. In geschützten Märkten ändert sich jedoch erst einmal nicht viel.

Was sollte die deutsche Politik tun, um die Chancen zu nutzen?

Dr. Steffen Bukold: Zunächst einmal muss die veränderte Lage wahrgenommen und diskutiert werden: Sind das nur kurzfristige Preisdellen oder haben wir es mit einem Trendbruch zu tun?

Im Moment sprechen einige Argumente dafür, dass wir es bei Kohle, Gas und eben auch Öl mit einem längerfristigen Strukturwandel zu tun haben, der bis in das nächste Jahrzehnt reichen kann. Die fossilen Energiepreise könnten also über Jahre hinaus niedrig bleiben, solange es nicht zu schweren Angebotsstörungen z.B. in Russland, Venezuela, Nigeria oder Irak kommt.

In diesem Szenario besteht das Risiko, dass viele Trends einfach abbrechen. Das gilt für die Heizungsmodernisierung, die energetische Sanierung von Gebäuden, die Elektro- und Erdgasmobilität, für viele Effizienzinvestitionen und manches mehr. Ohne zusätzliche politische Fördermaßnahmen und ohne eine grundlegende Form des Emissionshandels, also eine deutliche Erhöhung des CO2-Preises, wird es da nicht weitergehen.

Was bedeutet das für die Energiewende?

Dr. Steffen Bukold: Es fällt jetzt schwerer, die Energiewende ökonomisch zu begründen, denn die Annahme, dass die fossilen Energien immer teurer und die Erneuerbaren immer billiger werden, ist offenbar nicht richtig. Innovationen gibt es in allen Branchen, auch in der „Old Economy“.

Die deutsche Energiewende muss sich daher stärker auf die politischen Argumente besinnen, mit denen sie ursprünglich ja auch begründet wurde: Klima- und Umweltschutz, die größere Unabhängigkeit von Energieimporten, der Abbau externer Energiepreisrisiken, die Dezentralisierung der Energieversorgung und die höhere heimische Wertschöpfung.

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Ihr Ansprechpartner zur BEE-Fachtagung

Herr
Harald Uphoff
Stellvertretender Geschäftsführer