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BEE-Fachdialog "Ein wirksamer Preis für CO2 im Stromsektor" am 12.07.2017

Warum Deutschland eine CO2-Steuer braucht und wie sie gestaltet werden kann

Der viel zu geringe Preis für CO2 ist wesentlicher Grund dafür, dass Deutschland seine Klimaziele verfehlen wird. Der Europäische Emissionshandel bildet keinen geeigneten Mechanismus, um CO2-Verschmutzungsrechte zu verknappen und angemessen zu bepreisen. Weil zu viele Zertifikate auf dem Markt sind, schwankt seit 2012 der Preis für die Deponierung einer Tonne CO2 in unserer Atmosphäre um die fünf Euro. Die Klimaziele von Paris können so nicht erreicht werden. Der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) sieht daher die dringende Notwendigkeit von nationalen Instrumenten zur CO2-Bepreisung in Ergänzung zum Europäischen Emissionshandel.

Rückblick auf den CO2-Fachdialog

Der Chef-Ökonom des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, Prof. Ottmar Edenhofer, hat in seiner Keynote diesen Vorschlag bekräftigt: "Eine CO2 Steuer könnte wesentlich dazu beitragen, Klimaschutzziele schnell und effizient zu erreichen".

Energy Brainpool stellt die Kernergebnisse der Studie „Wirkungsweise einer CO2-Steuer im Stromsektor“ vor, die im Auftrag des BEE erstellt wurde. Im Mittelpunkt stehen die energiewirtschaftlichen Effekten einer CO2-Steuer im Stromsektor und die Auswirkungen auf die Emissionen auf nationaler wie europäischer Ebene. „Die Berechnungen von Energy Brainpool zeigen, dass bereits ein CO2-Preis von 25 Euro pro Tonne die Emissionen im Stromsektor im Jahr 2020 um ein Drittel reduziert. Zudem wird bereits mit 25 Euro pro Tonne CO2 die Hälfte der Klimaschutzwirkung eines CO2-Preises von 80 Euro pro Tonne erreicht“, sagt Uphoff. Gleichzeitig würden die Börsenstrompreise stabilisiert und damit die EEG-Umlage sowie die Förderkosten reduziert. Die EEG-Umlage könnte zusätzlich durch den Vorschlag des BEE, die Industrieprivilegien in den Bundeshaushalt zu verlagern, um 1,5 Cent pro Kilowattstunde gesenkt werden.

Anschließend wurden die Ergebnisse von Unternehmens- und Verbändevertretern diskutiert.

Zitate

Prof. Dr. Ottmar Edenhofer

Direktor des Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change gGmbH,
Chefökonom des Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung

"CO2-Bepreisung wirkt dem „Überangebot“ fossiler Energieträger entgegen. Zum einen müsste wegen niedriger Preise der fossilen Energieträger die Klimapolitik andernfalls ständig gegen die Marktkräfte ankämpfen. Zum anderen werden die Preise für fossile Ressourcen niedrig bleiben, weil sich der  Kohlemarkt internationalisiert hat und die Erneuerbaren immer billiger werden.“

Marcel Keiffenheim

Leiter Politik und Kommunikation, Greenpeace Energy

"Ein Ersatz der Stromsteuer durch eine CO2-Steuer hätte positive Wirkungen. So würde eine CO2-Steuer eine entscheidende Benachteiligung erneuerbarer Energien auf den Elektrizitätsmärkten mildern: Bei erneuerbaren Energien fließen sämtliche durch die jeweiligen Technologien verursachten Kosten transparent in den Strompreis ein. Bei fossilen Energien hingegen spiegeln sich die durch sie verursachten Klimaschäden, Verschmutzungen und Gesundheitsfolgen nur in geringem Umfang im Preis wider. Da im aktuellen Strommarkt der Einsatz von Kraftwerken in der Reihenfolge ihrer jeweiligen Kosten erfolgt, wird dieser Markt ohne eine CO2-Besteuerung erheblich verzerrt. So kommen fossile Kraftwerke derzeit zu oft zum Zug, was das Klima belastet – aber auch die Bürgerinnen und Bürger, da sie die hohen Folgekosten konventioneller Energieträger letztlich bezahlen.

Eine klug ausgestaltete CO2-Steuer würde zugleich die Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energien verbessern, was wiederum die EEG-Umlage senken würde. Gleichwohl ist ein rascher Kohleausstieg für den Klimaschutz unverzichtbar. Eine CO2-Steuer kann diesen sinnvoll ergänzen, aber nicht ersetzen.

Die Studie „Wirkungsweise einer CO2-Steuer im Strommarkt“ des BEE, deren Erstellung der Ökoenergieanbieter Greenpeace Energy finanziell unterstützt hat, liefert einen wichtigen Impuls, wie eine CO2-Steuer ausgestaltet werden könnte. In der kommenden Legislaturperiode muss die nächste Bundesregierung bei der wirksamen Bepreisung von CO2-Emissionen wie auch beim Kohleausstieg dringend aktiv werden, anders sind weder die nationalen Klimaziele noch die Verpflichtungen aus dem Pariser Klimaabkommen zu erreichen.“

Dr. Matthias Dümpelmann

8KU GmbH

"Es wird zu Recht deutlich gemacht, dass die Klimaziele ohne zusätzliche Anstrengungen - insbesondere von Seiten der Braunkohle, die unverändert mehr emittiert als der Verkehrssektor - klar verfehlt werden. Eine CO2-Steuer als nationales Instrument birgt jedoch Streurisiken. Je nach Brennstoffpreisen begünstigt sie Stromimporte insbesondere aus ausländischen Kohlekraftwerken und belastet inländische Produktion, die im Vergleich oft geringere Emissionen aufweist. Instrumente, die dasselbe Ziel ohne solche Risiken erreichen lassen, z.B. Emissionsobergrenzen, sind demgegenüber vorzugswürdig."

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Herr
Alexander Karasek
Telefon: 030 / 275 81 70 - 15