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RAG im Saarland

Wind- und Solarstromernte vom Zechengelände

Das Saarland ist das kleinste Flächenbundesland. Trotz seiner peripheren Randlage konnte sich das kleine Land als bedeutender Industriestandort etablieren. Die Wirtschaft war in der Vergangenheit eng mit der Steinkohle verbunden. Die Kohleförderung hat im Saarland lange Geschichte. Schon die Kelten holten den Rohstoff zutage.

Seit Mitte des 18. Jahrhunderts wurde im Saarland Steinkohle kommerziell abgebaut. Wegen der Nähe zum Energieträger siedelte sich auch die Stahlindustrie an. Zu Spitzenzeiten arbeiteten im Saarland 70.000 Menschen im Bergbau und förderten 17 Millionen Tonnen Kohle.

Kohleausstieg ohne Entlassungen

In den 1960er Jahren begannen die Grubenschließungen, da der Kohleabbau unwirtschaftlich geworden war. Anfang der 1990er Jahre waren noch 18.000 Menschen im Bergbau beschäftigt. Das endgültige Ende des Kohleabbaus erfolgte, nachdem es zu bergbaubedingten Schäden an Häusern und sogar zu Erdbeben kam. Bürger schlossen sich zu Interessengemeinschaften zusammen und forderten einen schnellen Ausstieg aus dem Bergbau. Die saarländische Landesregierung verfügte einen Abbaustopp. Dadurch endete 2012 – sechs Jahre früher als geplant – die Steinkohleförderung an der Saar. Rund 4.000 Mitarbeiter zählten die Gruben zum Schluss.1 Entlassungen waren nicht notwendig. Die älteren Bergleute konnten in den Vorruhestand gehen. 1.350 Kumpel wurden an die anderen Standorte der RAG im Ruhrgebiet oder in Ibbenbüren versetzt.2 Die übrigen Mitarbeiter werden für die Rückbau- und Sicherungsarbeiten eingesetzt.

Trotz des Wegfalls einer der wichtigsten wirtschaftlichen Säulen ist das Saarland heute keineswegs ein Sorgenkind. Die Zahl der Erwerbstätigen ist im Saarland seit dem Ende der Kohleförderung im Jahr 2012 von 524.000 auf 530.000 im Jahr 2018 gestiegen. Den größten Anteil daran hat heute der Dienstleistungssektor mit 387.000. Im Bereich der Erneuerbaren Energien waren im Jahr 2016 im Saarland insgesamt 2.310 Menschen beschäftigt.

Grüner Strom statt schwarzem Gold

Die Wirtschaft musste zwangsläufig von ihren beiden traditionellen Standbeinen Kohle und Stahl auf neue Füße gestellt werden. Die Stahlindustrie blieb zwar wirtschaftliches Zugpferd. Doch auch neue Branchen wie Fahrzeug- und Maschinenbau und digitale Unternehmen konnten erfolgreich angesiedelt werden. Und die RAG, die in den 1960er Jahren den landeseigenen Steinkohlebergbau übernahm, kehrte dem Saarland nach 2012 nicht den Rücken, sondern gestaltet den Strukturwandel von fossilen Energieträgern zu Erneuerbarer Energie aktiv mit. Und die RAG steht damit erst am Anfang ihrer eigenen Entwicklung!

Die RAG Montan Immobilien entwickelt im Saarland für ihre insgesamt 2.350 Hektar Betriebsfläche und 800 ehemalige Gebäude auf ehemaligem Bergbaugelände nachhaltige Nutzungskonzepte. Neben Standorten für Gewerbe, Dienstleistungen und Wohnungen werden die Bergbauflächen auch zur Gewinnung von Solar- und Windenergie genutzt. Dafür gründete sie im Jahr 2012 eigene Gesellschaften, die RAG Montan Solar GmbH und die RAG Montan Wind GmbH.

Die RAG hat an der Saar sechs Windparks geplant. Der Bau der Windparks soll ein Investitionsvolumen von 100 Millionen Euro umfassen. Die Gesamtleistung läge bei etwa 60 Megawatt. Dadurch könnten mehr als 35.000 Haushalte versorgt werden.

Ein Teil dieser Investitionen wurde bereits realisiert. Im März 2018 ging der Windpark Gohlocher Wald bei Lebach mit zwei Windenergieanlagen mit je 3 Megawatt Leistung in Betrieb. Sie sollen knapp 16 Millionen Kilowattstunden pro Jahr produzieren, genug für 4.500 Haushalte. Die Pachteinnahmen aus den Grundstücken fließen in die Kasse der Stadt Lebach. Im September 2018 vollendete das Unternehmen BayWa r.e. den Bau von drei weiteren Windenergieanlagen zu je 3 Megawatt. Diese werden 24 Millionen Kilowattstunden sauberen Strom pro Jahr erzeugen.

Solarernte auf Bergbauflächen

Die RAG Montan Solar betreibt im Saarland in Zusammenarbeit mit der schwäbischen Firma Wirsol zehn Solarparks mit einer Gesamtfläche von fast 60 Hektar, mehrere davon auf ehemaligen Kohlenlagerflächen. Wo sich früher schwarze Berge aus Steinkohle türmten, glitzern heute blaue Solarpanele in der Sonne. Gemeinsam kommen sie auf knapp 30 Megawatt Leistung und auf eine Investitionssumme von fast 34 Millionen Euro.

Auf dem Gelände der ehemaligen Kokerei Fürstenhausen erzeugt der frühere Bergwerksbetreiber heute Solarstrom. © RAG Montan Solar GmbH

Das UNESCO-Denkmal Völklinger Hütte ist das historische Wahrzeichen der saarländischen Industrie sowie ihres Wandels. Auf dem ihr gegenüber liegenden Saarufer hat die RAG Montan Solar im März 2013 gemeinsam mit den Stadtwerken Völklingen die Photovoltaik-Anlage Nordband auf dem Gelände der ehemaligen Kokerei Fürstenhausen errichtet. Die installierte Leistung beträgt 3,9 Megawatt und kann somit 1.200 Haushalte versorgen. „Erneuerbare Energien sind ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz“, betont der damals verantwortliche Oberbürgermeister der Stadt Völklingen, Klaus Lorig. „Die Stadt Völklingen stellt sich ihrer Verantwortung und trägt so zum Gelingen der Energiewende bei. Wir profitieren aber nicht nur durch den Klimaschutz. Wir profitieren auch von der anfallenden Gewerbesteuer.“ Die Stadtwerke Völklingen erzielen als Grundstückseigentümer Pachterträge.3

Im September 2018 nahm die RAG Montan Solar ihren jüngsten Solarpark auf einer stillgelegten Kohleaufbereitungsanlage in Saarbrücken-Jägersfreude in Betrieb. Bis 1968 war hier Steinkohle gewaschen worden. Danach lag die Fläche brach. „Wir haben im ersten Bauabschnitt 2.772 Solarmodule eingebaut, die eine Leistung von 745 Kilowatt Peak erwirtschaften. Damit können etwa 250 Haushalte mit Sonnenstrom versorgt werden“, berichtet Dr. Michael Pietsch, Geschäftsführer der RAG Montan Solar. „Wir haben die Bürger sehr frühzeitig in unsere Überlegungen zum Solarpark eingebunden“, so Dr. Pietsch. „Transparenz und Kommunikation waren und sind uns sehr wichtig“. Die RAG Montan Solar hat die Anlage schließlich zusammen mit den Anwohnern in Betrieb genommen.

Der Solarpark Jägersfreude erzeugt auf einer stillgelegten Kohleaufbereitungsanlage in Saarbrücken sauberen Strom. © RAG Montan Solar GmbH

Die Anlage soll schrittweise auf 2,3 Megawatt Leistung erweitert werden – vorausgesetzt die politischen Rahmenbedingungen lassen dies zu, denn die Änderungen im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) haben den Bau von Photovoltaik-Freiflächenanlagen auf einem Gelände wie einem ehemaligen Kohlelager erschwert. Nach Abschluss der Erweiterungen soll die Leistung bei 2,3 Megawatt liegen.4

Wertschöpfung durch Gewerbesteuer und Pachterträge

Die RAG ist überzeugt, dass Unternehmen, Kommunen, Stadtwerke, Energieversorger und die Bürger der Region von den Erneuerbaren-Energien-Projekten profitieren. „Aus den Kommunen bekommen wir viel Rückenwind. Vor allem das Thema regionale Wertschöpfung, wie die Tatsache, dass die Gewerbesteuer bei der Standortkommune verbleibt, hilft uns, den Bau von Photovoltaik-Anlagen voranzutreiben“, so Rudolf Krumm aus der Geschäftsführung der RAG Montan Immobilien. Die saarländische Vereinigte Volksbank (VVB) trägt den Strukturwandel ebenfalls mit. Sie habe frühzeitig interne Spezialisten zum Thema Erneuerbare Energien ausgebildet, sagt Uli Starck, VVB-Vorstand. „Mit der Initiierung einer Energiegenossenschaft, der Quierschieder Energiegenossenschaft eG, konnten sich sowohl Bürger der Kommune als auch Mitglieder der VVB an der Wertschöpfung beteiligen“, so Starck.5

Ihr Ansprechpartner

Herr
Alexander Karasek
Telefon: 030 / 275 81 70 - 0

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