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  • © Stiftung Offshore-Windenergie | Weserwind | Detlef Gehring | 2008

Stopp des Genehmigungsverfahrens für Nord Stream 2 jetzt für Reform der Energiesysteme nutzen

Berlin, 22.02.2022.Anlässlich des von der Bundesregierung gestoppten Genehmigungsverfahrens für die russische Pipeline Nord Stream 2 und der angespannten geopolitischen Lage sieht der Bundesverband Erneuerbare Energie e.V. (BEE) die Notwendigkeit, Herausforderung, aber auch Chance, neue Wege der Energieversorgung schneller und umfassender als bisher geplant zu beschreiten und Klimaneutralität, Versorgungssicherheit und Bezahlbarkeit durch eine umfassende Reform der Energiesysteme zu gewährleisten. „Die im Koalitionsvertrag verankerte „Plattform Klimaneutrales Stromsystem“ sollte alsbald ihre Arbeit aufnehmen, um die Möglichkeiten der umfassenden heimischen Versorgung mit Erneuerbaren Energien auszuloten. Der geplante starke Zubau an Wind- und Photovoltaikanlagen im ganzen Land braucht ein dezentrales Backup, das durch die flexibel steuerbare Leistung von Bioenergie, Wasserkraft, Speicher, KWK, Geothermie und Sektorenkopplung bereitgestellt werden kann“, so BEE-Präsidentin Dr. Simone Peter.

© dpa, Bernd Wüstneck, bwu htf

Der BEE habe kürzlich in seiner Strommarktstudie mit den Fraunhofer Instituten IEE und ISE gezeigt, dass nicht nur die Importabhängigkeit deutlich verringert, sondern auch Preisstabilität, das Erreichen der Klimaziele, Versorgungssicherheit und eine gesteigerte heimische Wertschöpfung verbessert werden könne. „In Deutschland stehen aktuell über 9.500 Biogasanlagen, die zusammen rund 10 Mrd. Kubikmeter Gas mit einem Energiegehalt von ca. 100 Terawattstunden (TWh) pro Jahr erzeugen – was rund 10 Prozent des deutschen Gasverbrauchs entspricht. Davon werden derzeit ca. 10 TWh aufbereitet und ins Gasnetz eingespeist. 90 Prozent des Biogases wird vor Ort in Blockheizkraftwerken zu Strom und Wärme umgewandelt – was ebenfalls Erdgas einspart. Theoretisch ließe sich das gesamte Biogas aufbereiten und ins Gasnetz einspeisen“, so Peter. Auch eine Verdopplung der Produktion auf 200 TWh sei möglich, allein durch die Vergärung der vorhandenen Gülle- und Abfallmengen und der Nutzung von Grünland und Biodiversitätsflächen. Damit ließe sich die Abhängigkeit von russischen Gasimporten signifikant reduzieren. Hierfür müsse der Anlagenpark stabilisiert und flexibilisiert werden. Das gelte auch für die Wasserkraft und die KWK. 

„Zudem zeigt die Studie, dass eine wirtschaftliche Elektrolyseleistung von 100 Gigawatt Grünem Wasserstoff in Deutschland möglich ist. Importe können auch hier weitestgehend vermieden werden“, so Peter. Gleichzeitig sollten die Elektrolyseure als flexibel steuerbare Leistung im räumlich nahen Bereich der Erzeugung fluktuierender Erneuerbarer Energien positioniert werden, um verbrauchsbedingte Netzengpässe zu vermeiden“, so Peter weiter. Wenn zudem weitere Möglichkeiten der Sektorenkopplung, wie der verstärkte Einsatz von Wärmepumpen oder Elektromobilität, sowie eine umfassende Wärme- und Verkehrswende in Angriff genommen, eine Aus- und Weiterbildungsoffensive für den Energiesektor gestartet und im europäischen Binnenmarkt die grenzübergreifenden Möglichkeiten der Energiewende genutzt würden, sei die Versorgung unserer Energiebedarfe in allen Sektoren sichergestellt“, so Peter abschließend.

Als Dachverband der Erneuerbare-Energien-Branche in Deutschland bündelt der BEE die Interessen von 50 Verbänden und Unternehmen aus den Branchen der Wind-, Bio- und Solarenergie sowie der Geothermie und Wasserkraft. Wir vertreten auf diese Weise 30 000 Einzelmitglieder, darunter mehr als 5 000 Unternehmen, 316 000 Arbeitsplätze und rund 6,5 Millionen Anlagenbetreiber. Unser Ziel: 100 Prozent Erneuerbare Energie in den Bereichen Strom, Wärme und Verkehr.