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Uebigau-Wahrenbrück (Elbe-Elster-Kreis)

Von der Brikettfabrik zum Bildungszentrum für Erneuerbare-Energien

Die 5.300-Einwohner-Stadt Uebigau-Wahrenbrück liegt inmitten der Klimaschutzregion Elbe-Elster in Süd-Brandenburg. Die Region ist durch starke Gegensätze gekennzeichnet: Der historische Stadtkern mit mittelalterlichen Strukturen ist einerseits von einer romantischen Auenlandschaft und von Teilen des Naturparks Niederlausitzer Heidelandschaft umgeben, andererseits landschaftlich stark durch den jahrzehntelangen Braunkohleabbau geprägt.

Die historische Bedeutung der Kohle in Uebigau-Wahrenbrück

Die Braunkohleindustrie sorgte in der Vergangenheit für hohe Einnahmen in der Region. So wurde die Kohle mit der Industrialisierung Mitte des 19. Jahrhunderts zum braunen Gold und machte das Zentrum der Energie zu DDR-Zeiten aus: 1989 arbeiteten 79.016 Beschäftigte im Lausitzer Braunkohleabbau.1 Die Förderung der Kohle in der Lausitz wurde nach der deutschen Einheit zurückgefahren, somit sank auch die Beschäftigtenzahl im Braunkohlebergbau deutlich, 2017 betrug sie lediglich 8.639.

Der Strukturwandel hat die Region bis heute fest im Griff. Denn trotz der historischen Bedeutung der Kohle entstand bereits früh ein Bewusstsein zum notwendigen Wandel innerhalb der Kommune mit ihren 21 Ortsteilen: Seit den 1990er Jahren arbeitet die Stadt aktiv an der Umsetzung Erneuerbarer-Energien-Projekte sowie an der Entwicklung regionaler Stoff- und Wertkreisläufe.

Bildungs- und Informationsarbeit zu Erneuerbaren Energien

Ein zentraler Bestandteil des kommunalen Engagements für die Energiewende besteht durch die entsprechende Bildungs- und Informationsarbeit für Einwohnerinnen und Einwohner. Denn für Uebigau-Wahrenbrücks parteilosen Bürgermeister Andreas Claus ist klar: „Die regionale Energiewende kann auf lange Sicht nur gelingen, wenn man die Menschen vor Ort erreicht, das heißt sie durch Informationen zum Umdenken bewegt und ihr Engagement durch das Aufzeigen eigener Handlungsmöglichkeiten entfacht.“

Das Besondere in Uebigau-Wahrenbrück: Die Bildungs- und Informationsarbeit setzt bereits im Kindes- und Jugendalter an. Die Schülerakademie Elbe-Elster e.V. ist hierbei seit vielen Jahren ein wichtiger Partner. Bereits seit 1996 fungiert die Akademie als regionaler Lehr- und Lernort mit einem eigenen mobilen Lehrkabinett zum Thema Erneuerbare Energien, einem Wasser- und Umweltlabor sowie einer Metall- und Elektrowerkstatt.

Seit 1997 findet hier unter anderem praktischer naturwissenschaftlicher und technischer Unterricht der Grundschulklassen statt. Bürgermeister Claus berichtet: „Von dem Angebot profitieren jedoch nicht nur unsere ortseigenen Schulen. Das mobile Lehrkabinett macht es möglich, auch andere Schulen zu besuchen.“

Die Räumlichkeiten der Schülerakademie Elbe-Elster e.V. befinden sich direkt neben der ehemaligen Brikettfabrik LOUISE, der ältesten noch erhaltenen Europas. Hier wurden von 1882 bis 1991 aus Rohbraunkohle Briketts gepresst. Nach 110 Jahren ununterbrochener Produktion wurde die Brikettfabrik aufgrund von mangelnder Nachfrage nach Briketts geschlossen. Der angedachte Abriss der Brikettfabrik LOUISE wurde abgewendet, 1992 wurde sie zum technischen Denkmal erklärt und befindet sich seitdem in kommunaler Trägerschaft der Stadt Uebigau-Wahrenbrück.

„LOUISE kann als Sinnbild für die Veränderung der Energielandschaft verstanden werden, denn dort, wo jahrelang klimaschädliche Briketts gepresst wurden, ist nun ein Ort entstanden, der Kinder, Jugendliche und Erwachsene gleichermaßen dazu anhalten möchte, sich im Rahmen der eigenen Möglichkeiten für den Schutz des Klimas einzusetzen“, erzählt Bürgermeister Claus.

Denn heute dient die Brikettfabrik als außerschulischer Lernort für historische und aktuelle Themen rund um Energie, Klima und Ressourcen und unter anderem als Veranstaltungsort. Die Aktivitäten verfolgen das Anliegen, die neuesten Techniken und eigenen Umsetzungsmöglichkeiten im Bereich der Energieeffizienz sowie der Erneuerbaren Energien näherzubringen. Die Umsetzung dieses Projektes konnte durch Investitionen der Stadt Uebigau-Wahrenbrück, durch den Landkreis Elbe-Elster, durch Vereine sowie durch Mittel aus Bundesprojekten sowie Sponsoring finanziert werden. In diesem Jahr findet auf dem Gelände der Brikettfabrik zum neunten Mal die Erneuerbare Energiesparmesse statt.

Nutzung lokaler Erneuerbarer Energie-Ressourcen

Zwei Windparks liefern mit ihren knapp 30 Windenergieanlagen mehr Strom, als in der Stadt verbraucht wird. Auch an einer Erneuerbaren Wärmeversorgung ist bereits gearbeitet worden, so wird Waldrestholz aus dem Landeswald vor Ort energetisch verwertet. Eine Holzhackschnitzel-Heizung in der Grundschule Wahrenbrück läuft als Pilotanlage seit 2010.

Die Umstellung von Wärme-Contracting auf den kommunalen Eigenbetrieb einer Holzhackschnitzel-Heizanlage mit einer Ressourcennutzung aus dem regionalen Forst wurde durch die Maßnahme begleitet, die Wärmeleistung durch energetische Sanierung zu reduzieren. 2013 konnte darüber hinaus auf 8 Hektar Fläche die erste Kurzumtriebsplantage mit 80.000 Pappelstecklingen bepflanzt werden.

Auch die Umsetzung eines Nahwärmenetzes für die Ortsteile Rothstein und Prestewit konnte erfolgreich realisiert werden. 80 Haushalte werden gemeinschaftlich mit sauberer Wärme aus Biogasabwärme und Holzhackschnitzeln versorgt.

Andreas Claus, Bürgermeister Uebigau-Wahrenbrücks

»Von der Umstellung der alten Ölheizungen auf das lokale Wärmenetz profitiert nicht nur das Klima, sondern auch der Geldbeutel der angeschlossenen Haushalte. Die Region benötigt positive Beispiele in Bürgerhand, damit sich der Gedanke einer nachhaltigen Wärme- und Energieerzeugung in der Energieregion Lausitz-Spreewald weiterverbreitet.«

Uebigau-Wahrenbrück ist Teil des BMBF-Projektes „Regionale Energieflächenpolitik“, in welchem die optimale Nutzung geeigneter Flächen für Erneuerbare Energien Flächen getestet und nachfolgend entsprechend notwendige politische Reformen vorgeschlagen werden. Für ihr Engagement wurde die Stadt Uebigau-Wahrenbrück als ein Gewinner beim Wettbewerb Klimaaktive Kommune 2016 ausgezeichnet.

Ihr Ansprechpartner

Herr
Alexander Karasek
Telefon: 030 / 275 81 70 - 0

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