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  • © Stiftung Offshore-Windenergie | Weserwind | Detlef Gehring | 2008

Energieträger endlich nach ihrer Klimaschutzwirkung gewichten

Primärenergiefaktoren haben einen maßgeblichen Einfluss darauf, mit welchem Technologiemix das Anforderungsniveau der Energieeinsparverordnung, das Energiesparrecht für den Gebäudesektor, das derzeit novelliert wird, erreicht werden kann. Ziel des Primärenergiefaktors ist es darzustellen, wie viel fossile Primärenergie für die Bereitstellung von Endenergie aus dem betreffenden Energieträger benötigt wird. Allerdings spiegelt die derzeitige Festlegung der Primärenergiefaktoren teilweise nicht den tatsächlichen Bedarf an (fossiler) Primärenergie der betreffenden Technologien wider. Auch entfalten die Primärenergiefaktoren nur eine unzureichende Lenkungswirkung für den Klimaschutz, weil sie die unterschiedlichen CO2-Emissionen der einzelnen Energieträger nicht berücksichtigen. So hat die Festlegung der Primärenergiefaktoren von Heizöl, Erdgas und Steinkohle auf den gleichen Wert von 1,1 zur Folge, dass sie nicht die erheblich stärkere CO2-Intensität dieser Energieträger wiedergeben. Auch der Einsatz von Braunkohle wird mit 1,2 viel zu niedrig bewertet. Es ist daher notwendig, die Primärenergiefaktoren stärker auf die Ziele der Energiewende und des Klimaschutzes auszurichten.

Um eine stärkere Lenkungswirkung für den Klimaschutz zu erzielen, ist es geboten, die Primärenergiefaktoren in der EnEV anhand ihrer spezifischen Klimaschutzwirkung bzw. den Treibhausgasemissionen auszurichten. Nach dem Globalen Emissions-Modell integrierter Systeme (GEMIS 4.94) zur Bilanzierung von Treibhausgasemissionen würde Kohle mit 1,8, Erdgas mit 1,13 und Heizöl mit 1,59 gewichtet werden, würde man ihre tatsächliche Klimawirkung heranziehen. Ein höherer Primärenergiefaktor für Kohle würde zudem die Treibhausgaswirkung kohlebasierter Kraft-Wärme-Kopplung angemessener bewerten.
Eine Ausrichtung der Primärenergiefaktoren auf THG-Emissionen wäre zudem mit den Vorgaben aus der EU-Energieeffizienzrichtlinie konform. Denn dort ist der Begriff der „Primärenergiefaktoren“ hinterlegt, nicht aber definiert. Damit liegt es im Ermessen des Gesetzgebers, die Primärenergiefaktoren nach ihrer Klimawirkung zu gewichten.

Den Erneuerbaren Brennstoffen Biogas und Bioöl werden die gleichen Primärenergiefaktoren zugewiesen wie Erdgas bzw. Heizöl, wenn sie nicht im räumlichen Zusammenhang zum Gebäude erzeugt wurden, obwohl für die Bereitstellung von Biogas und Bioöl weitaus weniger (fossile) Primärenergie benötigt bzw. CO2 ausgestoßen wird. Selbst der Primärenergiefaktor von Biogas und Bioöl, das im räumlichen Zusammenhang mit dem Gebäude erzeugt wurde, ist mit 0,5 vergleichsweise hoch.

Bei Einsatz von Kraft-Wärme-Kopplung kann für jedes Wärmenetz ein individueller Primärenergiefaktor berechnet werden, unabhängig davon, ob überhaupt Erneuerbare Energien zum Einsatz kommen. Der Einsatz fossiler KWK verringert den Primärenergiefaktor der Fernwärme sehr stark. Bei vielen fossilen Wärmenetzen erreicht dieser Primärenergiefaktor sogar den Wert 0 und suggeriert damit eine optimale Wärmequalität, die nicht mehr zu verbessern sei. Dadurch fehlt der Anreiz zum Einsatz Erneuerbarer Energien und zur Modernisierung der einspeisenden Wärmeerzeuger und der Netze.

Lesen Sie hier mehr zur Ausrichtung der Primärenergiefaktoren auf die Ziele der Energiewende und des Klimaschutzes sowie zur Weiterentwicklung des Energiesparrechts.

Ihr Ansprechpartner

Herr
Ulf Sieberg
Telefon: 030 / 275 81 70-13