Logo des BEE e.V.

Webseitensuche

Filteroptionen:

bunte Graphen auf blauer elektronischer Tafel
Pressemitteilung

BEE fordert Überarbeitung der BMWK-Langfristszenarien – Erneuerbare Leistung wird deutlich unterschätzt

19. September 2023

Der Bundesverband Erneuerbare Energie e.V. (BEE) hat die Langfristszenarien des Bundesministeriums für Wirtschaft- und Klimaschutz (BMWK) begutachtet und eine zweite Analyse zu diesen vorgelegt. Er verweist darin auf erhebliche Probleme bezüglich der ermittelten erneuerbaren Stromerzeugung in den Szenarien. „Abweichungen in den vorliegenden Langfristszenarien bergen die Gefahr in sich, dass darauf aufbauende politische Konzepte fehlerhaft werden. Die Annahmen und Ergebnisse der Langfristszenarien sollten daher in der jetzigen Form nicht als Grundlage weiterer Studien oder politischer Entscheidungen dienen”, fordert BEE-Präsidentin Dr. Simone Peter. „Es muss sichergestellt werden, dass eine so wichtige Basisstudie keine Folgefehler produziert.”

Die Langfristszenarien werden seit 2017 im Auftrag des BMWK erstellt und modellieren die zukünftige Entwicklung des Energiesystems, mit denen die energie- und klimapolitischen Ziele erreicht werden können. „Die Ergebnisse der BEE-Analyse machen deutlich, dass die Berechnungen bei allen erneuerbaren Technologien die Realität nicht korrekt abbilden. Dies führt in der Summe zu Abweichungen im hohen zweistelligen Terawattstunden-Bereich. Die tatsächlich verfügbare Leistung bzw. der Beitrag aus Erneuerbaren Energien bei der Stromerzeugung wird in den Szenarien somit deutlich unterschätzt. Das gilt es zu korrigieren”, fordert Peter.

Die Ursachen für die Abweichungen seien vielfältig, jedoch nicht systematisch begründet, wie die Ergebnisse der Analyse zeigten: Im Bereich Windenergie-an-Land gingen die Szenarien von einer bestmöglichen Anlagenkonfiguration im Jahr 2040 aus, die deutlich schlechter als der heutige Stand sei. Allein in den vergangenen zwei Jahren sei bei ca. 75 Prozent aller Neuanlagen eine bessere Anlagenkonfiguration zu verzeichnen. Gleichzeitig werde die Auslastung der Anlagen unterschätzt. Im Gegensatz dazu werde die Auslastung im Offshore-Bereich überschätzt: „In den letzten acht Jahren ist in keiner Stunde eine reale Auslastung von mehr als 95 Prozent im deutschen Offshore-Bereich aufgetreten. In den Langfristszenarien treten diese Zeitfenster aber in 600 bis über 800 Stunden auf”, so Peter. 

Die zugrunde gelegten Annahmen führen auch im Bereich der Photovoltaik zu einem verzerrten Bild. Wenn auf nationaler Ebene eine Auslastung von ca. 50 Prozent der Nennleistung erreicht werde, komme es zu einer praktisch nahezu unmöglichen und rechtlich unzulässigen pauschalen Abregelung der darüber hinausgehenden Einspeisung. Zusätzlich sehen die Szenarien in diesen Zeitfenstern teilweise vermehrt teure Nettostromimporte vor. „Günstigen erneuerbaren Strom abzuregeln, um teuren Graustrom aus dem Ausland zu beziehen, ist weder wirtschaftlich noch aus Sicht der Energiewende und des Klimaschutzes sinnvoll”, so Peter.

Die Annahmen zum nachhaltigen Biomassepotenzial blenden bestimmte Biomasse-Sortimente vollständig aus. Damit senke man künstlich deren Potenzial. Gleichzeitig werde die Flexibilität der Bioenergie gegenüber den vorangegangenen Langfristszenarien unbegründet stark verringert, was wiederum zu einem erhöhten Bedarf an Leistung aus H2-Gasturbinen führe. Für die Wasserkraft würden in der Berechnung gänzlich falsche Annahmen getroffen, die weder technisch noch praktisch mit dem Kraftwerkspark in Deutschland umgesetzt werden könnten.

„Die BEE-Analyse legt eine Reihe von gravierenden Problemen in den Langfristszenarien offen. Mit der Veröffentlichung der Studie möchte der BEE eine erneute Diskussion zur Weiterentwicklung der Langfristszenarien des BMWK anstoßen. Korrekturen sind erforderlich, damit politische Konzepte für die Umsetzung der Energiewende diese tatsächlich auf der Erfolgsspur halten”, so Peter abschließend.

Portraitbild von Adrian Röhrig
Ansprechpartner*in

Adrian Röhrig
Bundesverband Erneuerbare Energie e.V. (BEE)
Referent für Presse


E-Mail an Adrian Röhrig schreiben
030 275817016


weitere Beiträge dieses Autors ansehen

Verwandte Artikel

17.08.2023
Überblick über Strommasten und Hochspannungsleitungen in einer langen Reihe in einer ländlichen Landschaft. Das Foto wurde in De Biesbosch aufgenommen, einem Naturgebiet in der Nähe des Dorfes Werkendam, Nordbrabant, Niederlande
Netzentgelte und Strompreiszonen: BEE mahnt differenzierte Betrachtung an

Der Chef der Bundesnetzagentur, Klaus Müller, hat am Wochenende eine Strompreisreform mit niedrigeren Gebühren für Regionen mit viel Windkraft…

Mehr lesen
05.07.2023
Strommarkt: Preisverfall verdeutlicht Notwendigkeit einer Reform

Der Bundesverband Erneuerbare Energie e.V. (BEE) mahnt eine zügige Reform des Strommarktsystems an. „Der Anteil Erneuerbarer Energien an der…

Mehr lesen
24.08.2021
Windrad und Solarkollektoren auf einem schneeweißen Feld
BEE-Bewertung der BMWi-Langfristszenarien – Nationale Potenziale der Erneuerbaren Energien jetzt zügig heben

Die vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) in Auftrag gegebenen Langfristszenarien stellen unter verschiedenen Bedingungen das…

Mehr lesen

Logo des BEE e.V.
Bundesverband Erneuerbare Energie e.V. (BEE)
EUREF-Campus 16
10829 Berlin
Telefon: +49 30 275 8170 0
Telefax: +49 30 275 8170 20
E-Mail: info(at)bee-ev.de

Bundesverband Erneuerbare Energie e.V.

Als Dachverband vereint der Bundesverband Erneuerbare Energie e.V. (BEE) Fachverbände und Landesorganisationen, Unternehmen und Vereine aller Sparten und Anwendungsbereiche der Erneuerbaren Energien in Deutschland. Bei seiner inhaltlichen Arbeit deckt der BEE Themen rund um die Energieerzeugung, die Übertragung über Netz-Infrastrukturen, sowie den Energieverbrauch ab.

Der BEE ist als zentrale Plattform aller Akteur:innen der gesamten modernen Energiewirtschaft die wesentliche Anlaufstelle für Politik, Medien und Gesellschaft. Unser Ziel: 100 Prozent Erneuerbare Energie in den Bereichen Strom, Wärme und Mobilität.

Cookies