Der Bundesverband Erneuerbare Energie begrüßt die Initiative des Bundeswirtschaftsministeriums (BMWE), mit dem geplanten Verteilnetzpaket…
5. November 2026
“Bei den Plänen für die Ertüchtigung der Verteilnetze braucht es einen Perspektivwechsel. Bislang denkt das BMWE zu einseitig in klassischen Ausbaukategorien. Dabei können wir mit einer konsequenten Modernisierung und Optimierung der bestehenden Infrastruktur erhebliche Kosten einsparen und Zeit gewinnen“, kommentiert BEE-Präsidentin Ursula Heinen-Esser.
Der Handlungsdruck wächst: Im zweiten Quartal 2026 wurde nach Auswertung der Bundesnetzagentur erstmals mehr Strom im Verteilnetz abgeregelt als im Übertragungsnetz. Der BEE empfiehlt daher, die Netzplanung und den Netzbetrieb konsequent am NOXVA-Prinzip auszurichten: Netzoptimierung vor Flexibilität vor Verstärkung vor Ausbau. Die Potenziale zur effizienteren Netznutzung bleiben bislang weitgehend ungenutzt. So wird die Spitzenkappung, die es ermöglicht, Netze nicht auf selten auftretende Leistungsspitzen auslegen zu müssen, ebenso selten von Netzbetreibern genutzt wie das Freileitungsmonitoring im Hochspannungsnetz, die eine Steigerung der Leitungsauslastung um bis zu 50 Prozent ermöglicht. Studien zufolge kann diese Maßnahme die Redispatchmenge um bis zu 95 Prozent senken.
Eine wesentliche Voraussetzung für die effizientere Netznutzung ist die Digitalisierung. Der BEE fordert eine flächendeckende Echtzeitdatenerfassung und Auslastungsprognosen. Wie groß hier der Handlungsbedarf ist, zeigt eine Datenerhebung der BNetzA aus diesem Jahr: Mehr als die Hälfte der Netzbetreiber erfassen demnach keine Daten zum Netzzustand in Echtzeit. Ebenso braucht es eine höhere Transparenz der erhobenen Daten, z.B. über eine zentrale Plattform für standardisierte Daten zu Netzauslastung, verfügbaren Anschlusskapazitäten und geplanten Ausbaumaßnahmen. Zudem fordert der BEE mehr Standardisierung, etwas durch bundeseinheitliche technische Anschlussbedingungen, verbindliche und transparente Auslegungsregeln für alle Spannungsebenen des Verteilnetzes sowie gezielte Anreize für die Kooperation der mehr als 850 Netzbetreiber.
Auch Flexibilitäten reduzieren Redispatchkosten und Ausbaubedarf, werden aber kaum genutzt. Es braucht eine echte Ausbauoffensive für systemdienliche Speicher, zusätzliche Nutzungsmöglichkeiten noch vor der Einspeisung am Netzverknüpfungspunkt und deutliche Vereinfachungen beim Instrument “Nutzen statt Abregeln”.
“Die effiziente Nutzung der Verteilnetze muss endlich Standard werden. Viele Werkzeuge stehen dafür schon bereit, werden aber noch viel zu wenig genutzt. Wir brauchen verbindliche Anforderungen und ein wirksames Bonus-Malus-System, das effizientes Handeln belohnt und Versäumnisse spürbar macht.“, erklärt die BEE-Präsidentin.
Das Positionspapier zum Verteilnetzpaket finden Sie hier.