Wie Flexibilität den weiteren EE-Ausbau volkswirtschaftlich günstiger und effizienter macht.
1. Juli 2026
Die nächste Phase der Energiewende ist die Flexibilisierung des Stromsystems. Der Ausbau erneuerbarer Energien hat Deutschland bereits vor höheren Strompreisen geschützt und volkswirtschaftlich positiv gewirkt. Gleichzeitig zeigt sich: Viele der heute diskutierten Herausforderungen — negative Börsenstrompreise und ungünstige Stromhandelsbilanzen mit dem Ausland, marktliche Abregelung, sinkende Marktwerte erneuerbarer Energien und steigende Risiken aus § 51 EEG — sind keine getrennten Einzelprobleme. Sie sind Symptome einer gemeinsamen Ursache: Es fehlt Flexibilität, um wachsende Mengen günstigen Wind- und Solarstroms zeitlich besser zu nutzen.
Die vorliegende Kurzstudie untersucht rückblickend für den Zeitraum Januar 2025 bis Mai 2026, welche Wirkung zusätzliche Flexibilität im Stromsystem gehabt hätte. Modelliert wurden zusätzliche Stromspeicher in Deutschland mit unterschiedlichen Kombinationen aus Leistung und Speicherdauer. Speicher stehen dabei als konkrete Flexibilitätsoption im Modell; die energiepolitische Schlussfolgerung reicht jedoch darüber hinaus. Die notwendige Flexibilität kann auch durch flexible Verbraucher, Erzeugungsflexibilitäten, Sektorenkopplung oder andere systemdienliche Optionen bereitgestellt werden.
Die Ergebnisse zeigen: Bereits zusätzliche Flexibilität in der Größenordnung von 20 GW Speicherleistung mit vier Stunden Kapazität — also rund 80 GWh — hätte in mehreren Wirkungsbereichen einen Großteil der Entlastung erreicht. Dieser „Sweet Spot“ beschreibt die Flexibilitätslücke, die im untersuchten Stromsystem bei dem bereits erreichten Ausbau erneuerbarer Energien bestand. Er ist keine langfristige Obergrenze für den Flexibilitätsausbau. Mit weiterem Ausbau von Wind und Solar wächst auch der Bedarf an zusätzlicher Flexibilität. Die politische Schlussfolgerung ist eindeutig: Der Ausbau erneuerbarer Energien bleibt die Grundlage für ein günstiges, klimaneutrales Stromsystem. Damit dieser Ausbau seine volle Wirkung entfalten kann, muss er systematisch durch Flexibilitätsausbau flankiert werden. Flexibilität ist kein Randthema der Energiewende, sondern eine zentrale Systemvoraussetzung. Jetzt kommt es darauf an, Speicher, Verbraucherflexibilität und Erzeugungsflexibilität schnell, technologieoffen und netzdienlich zu erschließen.
Die Studie wurde vom Fraunhofer IEE erstellt und vom Bundesverband Erneuerbare Energie e.V. (BEE), dem Bundesverband WindEnergie e.V. (BWE) und dem Bundesverband Solarwirtschaft e.V. (BSW - Solar) in Auftrag gegeben.
Sie finden die Studie sowie eine dreiseitige Zusammenfassung hier zum Herunterladen:
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